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Sind Sie als Klinikmanager wirklich offen für Veränderungen?

Die Praxis zeigt, dass sich Gesundheitseinrichtungen schwertun, alte Strukturen aufzubrechen und den Weg ins digitale Zeitalter einzuläuten. Liegt es am Management oder an der aktuellen Generation von Mitarbeitern?

Bei Kongressen, in Fachvorträgen und in Publikationen werden wir fast täglich dazu aufgerufen, den Wandel einzuläuten. Im Universitätsklinikum Essen bedeutet das beispielsweise, den Weg zum Smart Hospital zu beschreiten. Dabei geht es nicht nur darum, so viele Prozesse wie möglich zu digitalisieren, sagt Prof. Jochen Werner, Ärztlicher Direktor im Rahmen der XPOMET Medicinale Kick-off-Veranstaltung vergangene Woche. Es geht darum, digital unterstützte, intelligente Plattformen zu entwickeln, die sich am Patientenbedarf orientieren. „Der Mensch darf dabei nicht zu kurz kommen." Gleichzeitig stehen kleinere Grund- und Regelversorger vor der Herausforderung, überhaupt flächendeckendes WLAN verfügbar zu machen oder endlich die lange schon ausgeschriebenen Pflegestellen zu besetzen. Was den einen scheinbar mühelos gelingt, macht anderen Krankenhäusern großes Kopfzerbrechen. Doch gibt es ein Erfolgs-Rezept, mit dem der Umbruch gelingt?  

Eine Frage der Unternehmenskultur

Die gute Nachricht lautet: Nein, es braucht keinen Change Manager und auch kein separates Budget. Es braucht den Wandel in den Köpfen. Und ein Management, das den Kulturwandel vorlebt. Unsere Aufgabe ist es, die Menschen für neue Wege vorzubereiten. Das bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und Routinen, die über viele Jahre etabliert wurden, aufzubrechen. Schluss mit langen Entscheidungswegen. Schaffen Sie eine Arbeitsumgebung, in der Mitarbeiter Neues wagen und auch mal Fehler machen dürfen. Natürlich arbeiten wir am Patienten und aus medizinischer Sicht dürfen keine Fehler passieren. Aber: Der Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen muss dringend stärker gefördert werden. Beispielsweise mit einem Mentoring-Prinzip. Mentoren sind übrigens nicht nur Medizinstudenten vorbehalten. Jeder Praktikant und auch Mitarbeiter, die bereits ein paar Jahre Berufserfahrung geschnuppert haben, profitieren von einem erfahrenen Mentor. Mentoring heißt auch, dass der Mentor selbst dabei lernt. Denken Sie Prozesse und Schnittstellen anders und schaffen Sie neue Berufsbilder, die diese Schnittstellen im Krankenhaus abdecken.

Das richtige Team

In Zeiten der Veränderung sind es die Menschen, die den Unterschied machen. Menschen, die mutig sind und die bereit sind, sich und ihre Umgebung täglich in Frage zu stellen und neue Wege zu gehen. Um diese Mitarbeiter zu bekommen und langfristig zu binden, müssen wir aber auch abseits von der klassischen Stellenanzeige denken. Das heißt auch mal auf Quereinsteiger setzen, die nicht über viele Jahre Berufserfahrung aus dem Gesundheitswesen mitbringen. Natürlich sind gerade in der Pflege und Medizin wichtige Fachkenntnisse gefordert. Aber abseits davon dürfen es auch andere Knowhow-Träger sein. Entscheidend sind die Motivation und der Wille, etwas zu verändern. Trauen Sie auch jungen Nachwuchskräften etwas zu. Denn die Geschwindigkeit des Wandels wurde den Generationen Y und Z in die Wiege gelegt.

Schlussendlich ist die Mischung entscheidend. Ein mutiges und agiles Management, das die Menschen inspiriert und Mitarbeiter, die bereit sind sich mit Vertrauen und Engagement auf die Veränderungen einzulassen. Und: nicht nur vom Wandel zu reden, sondern ihn tatsächlich einzuläuten.

Autor: Tanja Heiß