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Schleppende Geschäfte bei Helios bremsen Fresenius aus

Der Medizinkonzern Fresenius sieht sich auf dem Weg zum angepeilten Rekordjahr immer mehr Hindernissen gegenüber. Im abgelaufenen dritten Quartal wurde das Bad Homburger Unternehmen wie bereits bekannt von schleppenden Geschäften der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) und in seinen deutschen Helios-Kliniken ausgebremst.

Das anhaltend florierend Geschäft mit Nachahmermitteln in der Sparte Kabi konnte dies nicht ausgleichen, wie Fresenius am Dienstag bei der Vorlage seiner endgültigen Zahlen mitteilte.

Der Konzern hatte deshalb schon Mitte Oktober seine Prognose gesenkt. Fresenius hatte im abgelaufenen Quartal die Erlöse um 3 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro gesteigert, um Wechselkurs-Schwankungen bereinigt betrug das Plus 4 Prozent - etwas weniger als für das Gesamtjahr erwartet. Das Ergebnis im laufenden Geschäft stagnierte bei 1,11 Milliarden Euro, das bereinigte Konzernergebnis zog um 8 Prozent auf 445 Millionen Euro an.

Bei FMC ging der Umsatz den endgültigen Zahlen zufolge um 6 Prozent auf 4,06 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich sank das Ergebnis wie bereits erwartet um 8 Prozent auf 285 Millionen Euro.

Fresenius übernimmt Clinica Medellin in Kolumbien

Gleichzeitig treibt der Konzern seine internationale Expansion im Klinikgeschäft mit Zukauf voran. Über die spanische Kliniktochter Quironsalud übernimmt das Dax-Unternehmen den privaten Krankenhausbetreiber Clinica Medellin in Kolumbien, wie Fresenius in Bad Homburg mitteilte.

Der Zukauf kostet Fresenius mehr als 50 Millionen Euro und soll im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein, sofern die Wettbewerbs- und Gesundheitsbehörden zustimmen. Clinica Medellin betreibt nach Unternehmensangaben zwei Krankenhäuser in der Großstadt Medellin mit insgesamt 185 Betten.

Quelle: dpa

Rhön-Klinikum AG platziert Schuldscheindarlehen über 100 Millionen Euro

Die Rhön-Klinikum AG hat ein Schuldscheindarlehen über 100 Mio. Euro erfolgreich am Markt platziert. Die Transaktion war aufgrund der hohen Nachfrage verschiedener Investoren, wie u.a. Sparkassen, Volksbanken und Geschäftsbanken, mehrfach überzeichnet.

langfristige Finanzierungs- und Planungssicherheit ist durch die Kombination von ausschließlich fix verzinsten Tranchen verschiedener Laufzeiten gegeben.

Die Rhön-Klinikum AG hat das günstige Zinsumfeld genutzt, um sich langfristig attraktive Konditionen am Schuldscheindarlehensmarkt zu sichern. Die ausschließlich fixen Tranchen wurden mit Laufzeiten von 5, 7 und 10 Jahren erfolgreich am Markt angeboten. Die eingenommenen Mittel dienen der allgemeinen Unternehmensfinanzierung.

Im Nachgang der strategischen Neuausrichtung alle Finanzschulden zurückgeführt

"Mit einer durchschnittlichen Duration von 8,7 Jahren konnten wir trotz der aktuellen Situation am Kapitalmarkt ein außerordentlich langfristiges Ergebnis erzielen. Mit dem Finanzierungsmix aus unserer syndizierten Kreditfazilität und dem Schuldscheindarlehen sind wir in der Lage, die Investitionsmaßnahmen in unsere klinischen Standorte sowie unsere Campus-Strategie nachhaltig zu finanzieren", so Igor Levit, Konzernbereichsleiter Rechnungswesen, Steuern, Controlling und Finanzierung der Rhön-Klinikum AG.

Die Rhön-Klinikum AG hat im Nachgang der strategischen Neuausrichtung im Jahr 2014 alle Finanzschulden zurückgeführt. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine hohe und gesunde Eigenkapitalausstattung, eine nachhaltige Innenfinanzierungskraft und eine starke Liquiditätssituation im dreistelligen Millionen Euro Bereich aus. Erstmals seit 2014 beteiligt der Klinikkonzern den Kapitalmarkt wieder an der Unternehmensfinanzierung.

Die Platzierung des Schuldscheindarlehens wurde von der Bayerischen Landesbank und der DZ BANK als Joint Arranger begleitet. Das Unternehmen wurde bei der Transaktion durch Aybrook Financial Partners und die Kanzlei Gütt Olk Feldhaus beraten.

Über die Rhön-Klinikum AG

Die Rhön-Klinikum AG zählt zu den größten Gesundheitsdienstleistern in Deutschland. Der Klinikkonzern bietet exzellente Medizin mit direkter Anbindung zu Universitäten und Forschungseinrichtungen. An den fünf Standorten Zentralklinik Bad Berka, Campus Bad Neustadt, Klinikum Frankfurt (Oder), Universitätsklinikum Gießen und Universitätsklinikum Marburg (UKGM) werden jährlich mehr als 830.000 Patienten behandelt. Rund 16.700 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Mit dem RHÖN-Campus-Konzept setzt das Unternehmen derzeit ein neuartiges und zukunftsweisendes Projekt um, das die sektorenübergreifende medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten auf ein neues Exzellenzniveau hebt und sich an den wachsenden Bedürfnissen der Patienten orientiert. www.rhoen-klinikum-ag.com

25.10.2018 | Quelle: dpa

Intelligente Pflaster als medizinische Wearables auf dem Vormarsch

Tragbare Sensoren haben sich im Heimbereich zur Selbstvermessung längst etabliert. In den deutschen Krankenhäusern hingegen sind medizinische Wearables noch rar. Christian Stammel, CEO von Wearable Technologies, erklärt die Hintergründe.

Woran liegt es, dass sich Wearables zurzeit eher im privaten Bereich und weniger im Krankenhaus, beispielsweise am Patientenbett, durchsetzen?

Einerseits mangelt es noch an der Akzeptanz der Ärzte für diese neuen Technologien. Andererseits sind die Regulierungsprozesse im Gesundheitswesen extrem langwierig. Nichtsdestotrotz sehen wir immer wieder spannende Entwicklungen und Technologien, die mit einfachsten Mitteln enorme Effizienzsteigerungen im täglichen Routineablauf in einem Krankenhaus ermöglichen.

Welches Beispiel fällt Ihnen dazu ein?

Das kalifornische Unternehmen Leaf Healthcare bietet ein intelligentes Pflaster an, welches misst, wie oft die Liegeposition eines Patienten gewechselt wurde, um ein Wundliegen zu vermeiden. Das Wundliegen ist ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor im Krankenhaus. Das Pflaster mit dem integrierten Sensor wird am Oberkörper angebracht und überwacht Position, Orientierung, Bewegung und Aktivität des Patienten. Seine Daten sendet der Sensor über eine Wifi-Komponente an eine zentrale Monitoring-Station. Das Pflegepersonal kann dort oder auf einem angeschlossenen mobilen Endgerät sofort erkennen, wie oft der Patient tatsächlich gedreht wurde. Das intelligente Pflaster beeinflusst den Ablauf im Krankenhaus enorm, weil es Fehler, die beim Führen der üblichen Strichlisten auftreten, verhindert.

Viele medizinische Wearables werden in den USA entwickelt. Woran liegt es, dass vergleichsweise wenige dieser Produkte in Deutschland auf den Markt kommen?

Die Eintrittsbarriere in den europäischen Markt ist hoch. Einerseits sind die Regulatorien sehr komplex und unterscheiden sich von Land zu Land. Hinzu kommt, dass die Integration in die Krankenhausinformationssysteme sehr komplex ist. Den größten Erfolg bei der Integration von Wearables haben deshalb Krankenhäuser, die komplett neu aufgesetzt werden.

Quanta zum Beispiel, einer der weltgrößten Elektronikhersteller, hat in den vergangenen Jahren ein sehr interessantes Smart Hospital Solution System aufgebaut, das jetzt in den neuen Krankenhäusern, die in China und anderen Ländern Asiens auf der grünen Wiese entwickelt werden, implementiert wird. Dort ist man sehr offen für die Anbindung mobiler Endgeräte und für private Krankenhaus-Clouds. Bereits bei der Planung der Gebäude wird die private Cloud berücksichtigt. Patienten profitieren von der privaten Cloud nicht nur während des Klinikaufenthalts, sondern auch bei der Nachbetreuung im häuslichen Umfeld.

Bei Wearables denken die meisten an Smartwatches. Welche Systeme werden in den nächsten Jahren den Markt dominieren?

Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2022 ein Drittel des gesamten Wearable-Marktes auf intelligente Pflaster entfallen wird. Wir reden hier über eine Größenordnung von mehreren hundert Millionen smart patches, die jährlich verkauft werden. Diese smarten Pflaster können Biovitaldaten, Bewegungsdaten messen, aber auch als TENS-Gerät oder sogar zur Medikation als Produktanwendung auf den Markt kommen.

Warum sind die smart patches bei den Herstellern so beliebt?

Weil sie vergleichsweise unkompliziert sind. Ein amerikanisches Unternehmen TracPatch, das üblicherweise Gelenkimplantate herstellt, hat zwei smart patches entwickelt, die jeweils ober- und unterhalb des Kniegelenks angebracht werden, um nach einer Operation den Heilungsprozess zu überwachen. Die Sensoren messen exakt, wie sich der Patient bewegt und wie er das Knie bewegt. Ebenso wird die Wärmeentwicklung überwacht, was Hinweise auf eine mögliche Entzündung geben kann. Außerdem erkennt das Pflaster wenn Reha-Übungen durchgeführt werden und gibt dem Patienten Feedback zur Übungsausführung in der dazugehörigen Patienten-App. Zusätzlich gibt es eine App für den betreuenden Mediziner. Das Unternehmen hatte ursprünglich auch über ein smartes Implantat nachgedacht, aber die Idee wieder verworfen. Die Anforderungen und Herausforderungen für die Zulassung wären zu hoch gewesen. Das intelligente Pflaster ist genau der richtige Weg.

Was halten Sie von Bettsensoren, beispielsweise auf einer Intensivstation?

Bettsensoren sind sehr interessant, gerade weil sie Vitalfunktionen sehr akkurat messen können. Die Technologie ist bereits verfügbar, aber ihr Einsatz scheitert derzeit, wie bei vielen Wearables, an den hohen Kosten für die Zulassung und der schwierigen Integration ins KIS. Im Kern geht es nicht darum, neue Technologien zu entwickeln, sondern die vorhandenen zu integrieren.Eine generell sehr spannende neue Technologie für den Medizinmarkt ist NarrowBand IoT, eine Technologie, die langsam flächendeckend zum Einsatz kommt. Komplett wird diese mit dem neuen LTE Standard verfügbar sein.

Was ist das Besondere an NarrowBand IoT?

NarrowBand IoT ist ein internationaler Standard, der auf LTE aufsetzt und in Gebäuden eine sehr gute Netzabdeckung bietet. Die Sensoren von Wearables können sich direkt mit dem NarrowBand IoT Netzwerk verbinden und ihre Daten in die Cloud senden. Eine WLAN-Infrastruktur oder ein dedizierter Hub werden nicht benötigt. Die NarrowBand IoT Technologie hat bei der Datenübertragung einen sehr geringen Stromverbrauch, sodass Wearables auch über einen längeren Zeitraum Daten von einem Patienten direkt in die Cloud senden können. Die Technologie erlaubt die Übertragung von kleinen Datenmengen – beispielsweise kann damit die Überschreitung gewisser Grenzwerte kommuniziert werden, nicht aber die Übertragung eines EKGs.

Werden sich Wearables in fünf oder zehn Jahren im Krankenhaus etabliert haben?

Manche smart patches wie das FreeStyle Libre von Abbott sind richtige „game changer". Das Pflaster misst fortlaufend den Blutzuckerspiegel und sendet die Daten via NFC zu einer Auswerteeinheit. Wenn zum Beispiel ein Kind an Diabetes 1 erkrankt, muss zur Einstellung des Blutzuckers zunächst mehrmals am Tag und auch in der Nacht der Blutzuckerwert gemessen werden. Ein intelligentes Pflaster, das diese Arbeit abnimmt, erhöht die Lebensqualität aller Beteiligten. Wenn solche „game changer" eine Begeisterung bei den Patienten auslösen, werden auch die Ärzte verstärkt mit diesen Produkten in Verbindung kommen. Dann setzt hoffentlich ein Umdenken ein.

Quelle: kma Special MEDICa 2018