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Grünes Licht für Milliarden-Klinikneubau in Göttingen

Das Land Niedersachsen hat grünes Licht gegeben für eines der größten Bauvorhaben in seiner Geschichte. Für mindestens eine Milliarde Euro wird die Universitätsmedizin in Göttingen neu errichtet.

Die Arbeiten am ersten Abschnitt, einem 150 Millionen Euro teuren Bettenhaus für 624 Patienten, könnten jetzt beginnen, kündigte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Dienstag in Göttingen an.

Nach Angaben des Vorstands der Unimedizin haben die Vorarbeiten auf dem betreffenden Gelände bereits begonnen. Der eigentliche Bau soll im Frühjahr 2019 starten. Die Fertigstellung des ersten Abschnitts ist für 2022 geplant. Nach und nach soll die Universitätsmedizin in Göttingen dann bis zum Jahr 2033 komplett neu gebaut werden, sagte Thümler. Das sei günstiger als eine Sanierung.

Steigende Patientenzahl macht Neubau in Göttingen notwendig

Das Göttinger Klinikum war Mitte der 1970er Jahre für 3000 Mitarbeiter und 30 000 stationäre Patienten pro Jahr gebaut worden. Mittlerweile gibt es 7700 Beschäftigte und jährlich mehr als 65 000 stationäre Patienten. Hinzu kommen gut 400 000 ambulante Behandlungen.

Weil die Patientenzahl voraussichtlich weiter steigt, soll die Bettenkapazität um 13 Prozent auf 1667 erhöht werden. Zudem soll es statt bisher 2500 Parkplätze künftig 3500 geben. Alle neuen Gebäude sollen auf dem Gelände rund um den derzeitigen Standort errichtet werden.

Gründung einer neuen Bau-Gesellschaft

Für den Bau soll jetzt eine Bau-Gesellschaft gegründet werden, Bauherr ist die UMG. Ähnliches sei für die Medizinische Hochschule Hannover geplant, die ebenfalls mit Milliarden-Aufwand neu errichtet werden soll. Das Land will das Sondervermögen zur Finanzierung der Projekte von 600 Millionen auf 900 Millionen Euro erhöhen.

Quelle: dpa  

Ratgeber - Das sind die Tücken bei der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums

Die Kooperationsform des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) als Zusammenschluss von Ärzten, Zahnärzten oder als Ein-Personen-MVZ erfährt zunehmende Beliebtheit. Doch einen gut geplanten Start entscheidet über Erfolg oder Misserfolg).

Die Vorteile eines Medizinischen Versorgungszentrums - zum Beispiel die unbegrenzte Anstellung von Ärzten oder Zahnärzten, flexible Teilzeitregelungen, der Aufkauf von Praxen, Niederlassungen, Beteiligungsmöglichkeiten oder die Praxisnachfolge - sind vielfältig. Die Nachteile hingegen halten sich in Grenzen. Vielmehr kommt es auf den richtigen und gut geplanten Start an. Dieser entscheidet über Erfolg oder Misserfolg: Denn auf dem Weg von der Idee bis zum Start eines MVZ lauern viele Stolpersteine.

Für Vertragsärzte gelten Einschränkungen und eine Begründungs-Pflicht

Die das MVZ gründenden Ärzte und Zahnärzte haben Vertragsarztsitze, die an eine Adresse gebunden sind und durch Verzicht auf das MVZ übertragen werden müssen. In einem Bereich, in dem Zulassungen jedoch "gesperrt" und nur Nachbesetzungen zulässig sind, kann der Verzicht zu Gunsten des MVZ insbesondere bei einer unzureichenden Begründung zu Problemen führen. Im Fall von mehreren Ärzten oder Zahnärzten mit unterschiedlichen Sitzen kommt es möglicherweise zu einer genehmigungspflichtigen Sitzverlegung. Hier gilt es, rechtzeitig die Möglichkeiten und Einschränkungen zu prüfen, bevor ein Notar oder Anwalt bemüht wird.

Mitarbeiter rechtzeitig informieren und angestellte Ärzte überzeugen

Grundsätzlich gehen die Arbeitsverhältnisse per Betriebsübergang gemäß § 613a BGB auf das MVZ über, sofern bestimmte Formalien eingehalten werden. Weniger beachtet wird jedoch oft, auch die Mitarbeiter ausreichend und rechtzeitig zu informieren. Geschieht dies unter Zeitdruck, könnten Mitarbeiter womöglich die Chance nutzen, ihre Verträge neu zu verhandeln oder Abfindungen zu generieren. Hier Druck auszuüben oder mit Änderungskündigungen zu reagieren, kann den Betriebsfrieden nachhaltig beschädigen. Besonders schwierig kann es werden, wenn sich angestellte Ärzte und Zahnärzte nicht deutlich zum MVZ bekennen. Hier geht zwar das Arbeitsverhältnis auf das MVZ über, nicht aber das Abrechnungsvolumen. Letzteres muss gesondert beantragt werden, wofür schriftliche Erklärungen dieser Arbeitnehmergruppe zwingend erforderlich sind. Die Erfahrungen zeigen, dass hier rechtzeitig viel Überzeugungsarbeit notwendig wird.

Zukünftige Entwicklung der Praxis maßgebend für Besteuerung

Ein MVZ ist kein Steuersparmodell. Es führt in der Summe in etwa zur gleichen Steuerlast, jedoch zeitlich etwas flexibler. Will ein Mediziner seine Praxis in das MVZ mitnehmen, kann dies ohne Steuerbelastung oder zu Verkehrswerten gelingen. Das bedeutet: Die stillen Reserven der Praxis sind einmalig zu versteuern. Daraus ergeben sich Vor- und Nachteile, die vorab individuell vom Steuerberater zu prüfen sind. Nicht nur in Bezug auf Steuern, sondern auch hinsichtlich der Entwicklung der Praxis. Denn wer möchte schon die aktuellen Verkehrswerte der Praxis versteuern, wenn er diesen Kaufpreis bei einem späteren Verkauf aufgrund einer negativen Entwicklung eventuell gar nicht mehr erhalten würde?

Gefährlich wird es bei der Einbringung zu Buchwerten, wenn nicht alle wesentlichen Betriebsgrundlagen auf das MVZ übertragen werden. Dazu gehören zum Beispiel auch der Mietvertrag des Praxissitzes des MVZ, Lizenzen oder Patente. Nicht selten nutzen Vermieter die Gunst der Stunde, Doppelabsicherungen oder Mieterhöhungen aufgrund dieses Anlasses zu verhandeln.

Stellen Sie sich auf eine doppelte Buchhaltung ein

Während für eine normale Arztpraxis eine Einnahme-Überschuss-Rechnung (maßgebend sind Zahlungen) ausreicht, erstellt ein GmbH-MVZ Bilanzen (maßgebend sind Leistungen). Der Wechsel vom einen zum anderen ist nicht einfach und durch die Einbringung der Altpraxis sowie durch zeitliche Verzögerungen bei der Abrechnung von HVM, Degression und Patientenverträgen kommt es für mindestens zwei Quartale zu Doppelbuchhaltungen. Dies ist technisch anspruchsvoll und erfordert ein massives Umdenken bei den Praxisinhabern.

Häufig gibt es Abtretungen von Honoraren an die Banken, sodass die Umstellung auf eine neue Bank mit EC- oder Lastschriftzahlungen einen Vorlauf von mindestens drei Monaten benötigt. Bestehen Darlehens- oder Leasingverträge, können diese nur selten auf ein MVZ übertragen werden. Deren Zurückbehaltung oder Weiterberechnung können erhebliche steuerliche Probleme auslösen, die rechtzeitig gelöst werden müssen. Das MVZ erfordert daher zwingend eine Liquiditätsplanung für die ersten zwei Jahre.

Vorsicht mit den Patientendaten

Im Zuge der Umstellung wird gerne übersehen, dass MVZ und Altpraxis nicht identisch sind. Um teils erheblichen Ärger zu vermeiden, muss der Zugriff auf die Patientendaten - je nach Zusammensetzung des MVZ - geregelt werden. Es ist zu empfehlen, bestehende Daten bis zum Start des MVZ zu kopieren, zu trennen oder zu migrieren. Die Herausforderungen an die Datentechnik sind nur lösbar, wenn es ausreichend Zeit zur Umstellung gibt. Die Erfahrungen zeigen, dass die Softwareprogramme rund um die Patientendaten viel leisten können, darüber hinaus jedoch kaum Möglichkeiten beim Zusammenschluss von Praxen oder bei der Praxisnachfolge bieten.

Quelle: Deutsche Gesellschaft Selbständiger Fachberater für das Gesundheitswesen  

Rund 400 Jobs sollen bei Paracelsus-Klinikgruppe wegfallen

Bei dem insolventen Privatklinikkonzern Paracelsus sollen bundesweit rund 400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Von dem Stellenabbau werde auch die Klinik am Stammsitz Osnabrück betroffen sein. Details stünden aber noch nicht fest. Ende Februar solle es ein Sanierungskonzept geben.

190 der abgebauten Stellen entfielen auf die Klinik in Karlsruhe, die geschlossen werden soll, sagte der Generalbevollmächtigte und Sanierungsbeauftragte Reinhard Wichels am Dienstag nach einer Mitarbeiterversammlung in Osnabrück.

Die Paracelsus-Gruppe hatte am 21. Dezember Insolvenz in Eigenverantwortung angemeldet. «Es war schlicht kein Geld mehr da, um Gehälter oder Lieferanten zu bezahlen», sagte Wichels. Das Defizit des Unternehmens betrage rund 25 Millionen Euro. Er sei aber überzeugt, dass nach einer Sanierung sich die Unternehmensgruppe wieder wirtschaftlich führen lasse. Die Chancen stünden gut, dass ab Sommer kein Geld mehr verbrannt werde. Nun müsse ein Weg gefunden werden, die Personal- und Sachkosten zu reduzieren. «Die Insolvenz ist eine Chance für das Unternehmen», sagte Wichels.

Defizite besonders im Bereich der Akutmedizin

Im Konzern arbeiten derzeit 5200 Menschen. Paracelsus hat rund 40 medizinische Einrichtungen, vor allem Krankenhäuser und Reha-Kliniken, an mehr als 20 deutschen Standorten, viele davon in Niedersachsen.

Defizite gebe es vor allem im Bereich der Akutmedizin, sagte Wichels. Es sei zum Schluss den profitabel arbeitenden Unternehmensteilen in der Schweiz und im Reha-Bereich nicht mehr gelungen, die finanzielle Schieflage des Gesamtunternehmens aufzufangen.

Ein Verkauf der Klinikgruppe steht zur Debatte

Der Gläubigerausschuss müsse in den nächsten Wochen auch die Entscheidung treffen, ob das Unternehmen saniert oder aus den Händen der jetzigen Eigentümer genommen werden und verkauft werden solle. «Es gibt eine ganze Reihe von Kaufinteressenten», sagte Wichels. Bei einem Verkauf werde angestrebt, die Klinikgruppe als Ganzes zu verkaufen und nicht nur die profitablen Teile. «Wir legen Wert darauf, Investoren auszuwählen, die mit der deutschen Krankenhauslandschaft vertraut sind und nicht der Meinung sind, das Gesundheitswesen sei eine Branche wie alle anderen», sagte Wichels.

Quelle: dpa