AOK-Pilotprojekt zur europÀischen Patientenkurzakte

Die AOK hat in einem Pilotprojekt mit Nutzergruppen Anforderungen an die europĂ€ische Patientenkurzakte ermittelt. Die Ergebnisse des Projekts sollen in die weitere Entwicklung der Patientenkurzakte einfließen.

Im Pilotprojekt wurden die Anforderungen an die Patientenkurzakte gemeinsam mit den kĂŒnftigen Nutzern – Versicherten und Leistungserbringern – erarbeitet.

WĂ€hrend an FunktionalitĂ€t und AttraktivitĂ€t der ePA noch gearbeitet wird, ist parallel auch die europĂ€ische Patientenkurzakte zu entwickeln, die Ärztinnen und Ärzten EU-weit den Zugriff auf wichtige medizinische Informationen ermöglichen soll. Entsprechend der EHDS-Verordnung soll sie ab MĂ€rz 2029 verfĂŒgbar sein. Wie die elektronische Patientenkurzakte fachlich und technisch ausgestaltet werden sollte, hat die AOK connect, die Einheit fĂŒr digitale Lösungen der AOK-Gemeinschaft, in einem Pilotprojekt untersucht. Das Projekt lief von August bis Dezember 2025 und hatte zum Ziel:

  • die technische KompatibilitĂ€t zwischen der zentralen Schnittstelle zum europĂ€ischen Gesundheitswesen, dem NCPeH (National Contact Point for eHealth) und dem ePA-Aktensystem zu verifizieren sowie
  • ein PoC (Proof of Concept) zum nutzerzentrierten Vorgehen zu entwickeln, einschließlich einer Pilotimplementierung zur Erprobung der technischen Machbarkeit und Prozesslogik.

„Nur wenn klar ist, was spĂ€tere Nutzergruppen benötigen und wie ihr Alltag aussieht, können Anwendungen entstehen, die in der Praxis angenommen werden“, erklĂ€rte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, den starken Fokus auf Nutzer- und Praxistauglichkeit im Projekt. Versicherte wie auch Leistungserbringer waren daher von Anfang an in Form von Nutzergruppen beteiligt.

So wurden die Anwender eingebunden

FĂŒr die Testgruppe der Versicherten wurden Teilnehmende zwischen 30 und 75 Jahren mit ausgewogener Geschlechterverteilung ausgewĂ€hlt, die regelmĂ€ĂŸig die ePA nutzten und auch schon einmal im Ausland auf Ă€rztliche Hilfe angewiesen waren. In ca. 60-minĂŒtigen Interviews sollten sie zunĂ€chst berichten, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten haben, welche HĂŒrden es zu ĂŒberwinden gab und was ihnen geholfen hĂ€tte. Auch ihre Erwartungen zum Prozess und den zu teilenden Daten wurden erfragt. Im nĂ€chsten Schritt konnten sie einen Prototyp der AOK-App testen, in den die Patientenkurzakte integriert war.

Um die Sicht der Leistungserbringer zu erfassen, organisierten die Projektverantwortlichen einen halbtÀgigen Workshop mit FachÀrzten und Notfallmedizinerinnen. Dabei wurden typische Versorgungsszenarien durchgespielt, etwa im Notfall oder bei der Weiterbehandlung chronisch Erkrankter im europÀischen Ausland. Vertreter der gematik brachten zudem die regulatorische Perspektive ein und beantworteten Fagen zu InteroperabilitÀt, Datensicherheit und IntegrationsfÀhigkeit in bestehende nationale und europÀische Infrastrukturen.

Erkenntnisse aus der Pilotierung

Den Mehrwert der europĂ€ischen Patientenkurzakte sahen die Teilnehmenden der Nutzergruppen vor allem bei akuten Erkrankungen, NotfĂ€llen und UnfĂ€llen sowie bei der Behandlung chronischer Erkrankungen im Ausland. Wichtig in diesen Situationen: ein schneller Zugriff der Leistungserbringer auf zentrale medizinische Informationen. Kornell Adolph, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von AOK connect, schildert eine typische Situation: „Sie kommen im Urlaubsort an und stellen fest, dass Sie Ihre Medikamente vergessen haben oder unerwartet krank geworden sind“. Der Arzt zuhause kann telefonisch oder per VideogesprĂ€ch kontaktiert werden, doch wie kommt man im Urlaubsort an die verordneten Medikamente? Die europĂ€ische Patientenkurzakte werde dem Apotheker notwendige medizinische Informationen und verordnete Medikamente anzeigen, so Adolph.

Vorgesehen ist ein „EU-Zugriffscode“, die Versicherten kĂŒnftig ĂŒber ihre nationale elektronische Patientenakte erzeugen können, um bei Bedarf relevante Informationen wie Diagnosen oder Medikationsplan freizugeben. Den Versicherten sind Transparenz, Sicherheit und Kontrolle wichtig. So sollte etwa der Ablauf der Datenfreigabe verstĂ€ndlich, am besten auch visuell dargestellt werden. Zu den weiteren Anforderungen gehören eine integrierte Dolmetscher-Funktion (die Patientenkurzakte sollte in der jeweiligen Landessprache zur VerfĂŒgung stehen) sowie ein schneller Zugriff durch Integration in die Notfalldaten des EndgerĂ€ts und Anzeige als Widget auf dem Sperrbildschirm.

Leistungserbringer wĂŒnschen sich eine einfache, intuitive Bedienung und sehen die vollstĂ€ndige Integration in die Praxis- und Krankenhaus-Software als wichtige Voraussetzung fĂŒr das Nutzen der Patientenkurzakte. Auch zu Inhalten und Daten formulierten sie konkrete Anforderungen. In einem Whitepaper hat AOK connect die Erkenntnisse aus dem Projekt zusammengefasst und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Die Ergebnisse der Pilotierung, die die AOK stellvertretend fĂŒr die Krankenkassen in Deutschland ĂŒbernommen hat, sind an das Bundesgesundheitsministerium und die gematik ĂŒbergeben worden und sollen in die weitere Entwicklung der europĂ€ischen Patientenkurzakte einfließen. Im Rahmen des Projekts hat die elektronische Patientenakte der AOK, die von den Dienstleistern Partnern EY und IBM weiterentwickelt wird, zudem als erstes deutsches Aktensystem die Zulassung auf europĂ€ischer Ebene erhalten.

Quelle: Nicola Hauptmann

  
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