Im Pflegealltag bleibt oft wenig Zeit für eine ausführliche Dokumentation. Zwar unterstützen digitale Lösungen bereits dabei, Prozesse zu vereinfachen, doch nach wie vor müssen zahlreiche Einträge manuell erfasst und nachbearbeitet werden. Der Einsatz KI-gestützter Funktionen verändert die Dokumentation nun grundlegend.
Ambulante Pflegedienste stehen heute unter einem erheblichen organisatorischen Druck. Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter, während gesetzliche Auflagen zunehmen. Pflegekräfte und Pflegedienstleitungen verbringen einen immer größeren Teil ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben, die häufig unter hohem Zeitdruck erledigt werden müssen. Die Digitalisierung hat in den vergangenen Jahren bereits spürbare Fortschritte gebracht: Prozesse wurden transparenter, Abläufe strukturierter und viele Aufgaben erstmals durchgängig digital abgebildet. Durch die Integration von künstlicher Intelligenz kann Pflegesoftware weitere Prozessvorteile erschließen und Pflegekräfte im Alltag noch gezielter entlasten.
Digitalisierung als Grundlage moderner Pflegeprozesse
In den vergangenen Jahren haben digitale Lösungen die Arbeit in ambulanten Pflegediensten grundlegend verändert. Elektronische Leistungsnachweise, digitale Tourenplanung oder die Anbindung an die Telematikinfrastruktur sorgen heute dafür, dass Informationen schneller verfügbar sind und Prozesse deutlich strukturierter ablaufen. Medienbrüche werden reduziert, doppelte Erfassungen vermieden und Abläufe transparenter gestaltet.
„Die Digitalisierung hat in der Pflege bereits viel erreicht. Prozesse, die früher papierbasiert oder doppelt erfasst wurden, sind heute durchgängig digital abgebildet“, erklärt Manuel Gruhn, Produktmanager KI/Mobile bei der euregon AG.
Diese Entwicklung ist elementar, denn erst wenn Daten digital vorliegen und Prozesse miteinander vernetzt sind, können sie effizient weiterverarbeitet werden. Gleichzeitig zeigt sich im Alltag, dass trotz digitaler Systeme weiterhin Zeit für manuelle Eingaben und Nachbearbeitungen benötigt wird. Vor diesem Hintergrund rückt künstliche Intelligenz als nächster Entwicklungsschritt in den Fokus.
Die Verknüpfung von Digitalisierung und KI macht den Unterschied
Digitale Pflegesoftware hat in den vergangenen Jahren bereits dazu beigetragen, Tourenplanung, Leistungserfassung und Dokumentation besser zu organisieren und effizienter zu gestalten. „Bei vielen Lösungen wird zwar digital dokumentiert, aber Pflegekräfte müssen weiterhin viel tippen und Inhalte später nacharbeiten“, so Gruhn. Besonders auf mobilen Endgeräten passe das Tippen längerer Texte oft nur bedingt in den Arbeitsalltag vor Ort beim Klienten. Künstliche Intelligenz eröffnet hier neue Möglichkeiten. Sie kann natürliche Sprache verarbeiten, Inhalte strukturieren und Informationen automatisch zuordnen. Dadurch wird die Dokumentation stärker in den Pflegealltag integriert, statt erst nach der Tour unter Zeitdruck erledigt zu werden.
Sprachbasierte Dokumentation als praxisnaher Ansatz – mehr Zeit im Pflegealltag
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die sprachbasierte Dokumentation, beispielsweise über eine KI-Funktion. Pflegeberichte können dabei direkt in das mobile Endgerät eingesprochen werden, anstatt sie manuell zu tippen. Die KI erkennt dabei Inhalte aus der Spracheingabe und kann beispielsweise Vitalwerte automatisch den passenden Feldern zuordnen. Gleichzeitig lassen sich Texte grammatikalisch verbessern oder verständlicher formulieren, ohne den fachlichen Inhalt zu verändern. Der zentrale Effekt liegt jedoch in der Zeitersparnis: „Pflegekräfte müssen Berichte nicht mehr eintippen oder später manuell nacharbeiten, sondern können Beobachtungen direkt während oder unmittelbar nach dem Einsatz mobil einsprechen“, erklärt Gruhn. So passe die Dokumentation deutlich besser in den Pflegealltag.
Praxisbeispiel: Mehr Dokumentation, aber weniger Aufwand
Welche konkreten Benefits solche Funktionen in der Praxis haben können, zeigt das Beispiel der AKA Monika Kirnich GmbH & Co. KG in Altötting. Der ambulante Pflegedienst arbeitet seit 2023 vollständig digital und setzt im Alltag die KI-gestützten Funktionen der Plattform „snap“ ein.
„Im Pflegealltag fehlte oft die Zeit für ausführliche Dokumentation. Diktierte Texte mussten anschließend mühsam korrigiert werden“, berichtet Peter Hausladen, Geschäftsführer und Pflegedienstleitung des Unternehmens. Häufig sei daher geplant gewesen, Berichte später im Büro nachzutragen – was im hektischen Alltag jedoch nicht immer umgesetzt werden konnte.
Seit der Einführung KI-gestützter Funktionen habe sich das deutlich verändert. Vor allem der Zeitaufwand für die Dokumentation im Pflegealltag habe sich spürbar reduziert: „Meine Kollegen und ich dokumentieren durch die deutliche Vereinfachung wesentlich mehr als früher – schlicht und ergreifend, weil es schneller und einfacher geht“, sagt Hausladen. Auch sprachliche Besonderheiten spielen dabei eine Rolle. „Wir arbeiten hier im tiefsten Oberbayern an der Grenze zu Niederbayern und Österreich. Unsere Mundart entspricht nicht immer der hochdeutschen Grammatik. Die KI wandelt das Gesprochene aber in verständliche Texte um. Das erleichtert die Dokumentation enorm“, so Hausladen.
Quelle: Patrick Schulze