Medizinische Resilienz – Krankenhäuser im Ernstfall

Auf der Deutschen Notfallkonferenz (DNFK) Ende September in Aachen, beraten Fachleute aus dem zivilen Sektor und der Bundeswehr über eine krisenfeste Patientensteuerung. Im Fokus steht das neue Weißbuch „3K“ – und die Frage, wie bestehende Klinikstrukturen für Katastrophen, Krisen und den Bündnisfall ertüchtigt werden können.

Die Sicherheitslage in Europa hat sich grundlegend verändert. Nach Auffassung der DGU muss Deutschland deshalb auch seine medizinische Versorgung auf Krisen und den Bündnisfall vorbereiten.

Was passiert, wenn deutsche Krankenhäuser innerhalb kürzester Zeit eine große Zahl schwerverletzter Patientinnen und Patienten aufnehmen müssen? Wie belastbar sind die Logistikketten und wer koordiniert die Verteilung? Um diese drängenden Fragen zu beantworten, fordert die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) eine klare strategische Weichenstellung: Das etablierte TraumaNetzwerk DGU® muss fest in die nationale Leitstruktur der Verletztenversorgung integriert werden.

Der große Vorteil dieses Ansatzes: Es müssen keine teuren und trägen Parallelstrukturen aufgebaut werden. Stattdessen soll das bewährte, flächendeckende System, das sich bereits im klinischen Alltag bewährt hat, krisenfest weiterentwickelt werden.

Keine Zeit für Zuständigkeitsfragen im Ernstfall

Die unfallchirurgischen Fachgesellschaften drängen auf rasche gesetzliche und organisatorische Anpassungen. Im Krisenfall darf wertvolle Zeit nicht durch bürokratische Hürden verloren gehen.

„Wir müssen heute festlegen, wie die Versorgung morgen unter extremen Bedingungen funktionieren soll. Im Ernstfall ist keine Zeit mehr, Zuständigkeiten zu klären, Kommunikationswege aufzubauen oder erst herauszufinden, welches Krankenhaus welche Patientinnen und Patienten übernehmen kann.“

Für eine funktionierende Steuerung spielen die Landesbehörden eine Schlüsselrolle. Hier müssen die Kapazitäten der zivilen Krankenhäuser und die logistischen Planungen der Bundeswehr nahtlos ineinandergreifen. Nur wenn transparent erfasst ist, wo welche chirurgischen Ressourcen, Spezialistinnen und Spezialisten sowie Bettenkapazitäten frei sind, ist eine koordinierte Zuweisung möglich.

Die Kernforderungen des Weißbuchs „3K“

Das im Juli 2026 an die Politik übergebene Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise und Krieg“ (3K) benennt konkrete Handlungsfelder, um die Resilienz des gesamten Systems zu stärken:

Sektorenübergreifende Patientensteuerung: Etablierung klarer, digital gestützter Zuweisungswege für den Massenanfall von Verletzten (MANV).

Zivil-militärische Kooperation: Eine enge und kontinuierliche Abstimmung zwischen zivilen Kliniken, Katastrophenschutzbehörden und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr.

Materialbewirtschaftung und Vorhaltung: Aufbau robuster, krisenfester Reserven an chirurgischen Instrumenten, Prothesen und Verbrauchsmaterialien, inklusive geklärter Refinanzierung.

Regelmäßige Übungsszenarien: Verpflichtende, gemeinsame Simulationen von Extremereignissen für Medizinerinnen und Mediziner, Pflegekräfte sowie administrative Klinikstäbe.

Aus- und Weiterbildung im Fokus

Krisenfestigkeit entsteht nicht erst in der Krise – sie erfordert kontinuierliche Vorbereitung. Neben der rein materiellen und logistischen Absicherung rückt daher die gezielte Aus- und Fortbildung des Klinikpersonals für sogenannte 3K-Lagen in den Mittelpunkt.

Dazu gehört das Beherrschen spezieller chirurgischer Techniken zur Versorgung komplexer Kriegs- und Explosionsverletzungen ebenso wie das strukturierte Arbeiten unter Ressourcenknappheit. Nur durch eine vorausschauende, bundesweit koordinierte Strategie und eine gesicherte Finanzierung der Vorhaltekosten durch Bund und Länder können Deutschlands Kliniken auch in extremen Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben.

Quelle: DGOU/HCM