Die zunehmende VerfĂŒgbarkeit routinemĂ€Ăig erhobener Gesundheitsdaten â sogenannter âRoutinely Collected Dataâ (RCD) â, die verstĂ€rkt fĂŒr Forschungszwecke genutzt werden, eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, mehr Fragen zu Gesundheit und Krankheit zu beantworten â und das in kĂŒrzerer Zeit.
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Doch fehlt Forschenden oft das Wissen darĂŒber, wie die Daten generiert wurden, sowie die Kontrolle darĂŒber, wie sie erhoben wurden. Ein internationales Forschungskonsortium hat nun einen Leitfaden zur Nutzung von RCDs veröffentlicht, der den ersten umfassenden dieser Art darstellt. Ziel ist es, die QualitĂ€t, ValiditĂ€t und Transparenz von Studien auf Basis solcher Daten nachhaltig zu verbessern und damit die Grundlage fĂŒr verlĂ€ssliche evidenzbasierte Medizin zu stĂ€rken. Die Arbeit erscheint jetzt im Fachjournal âThe BMJâ.
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Routinedaten â etwa aus elektronischen Gesundheitsakten, Registern oder Abrechnungsdaten â bieten enorme Chancen fĂŒr die medizinische Forschung, da sie groĂe Patientenkollektive unter realen Versorgungsbedingungen abbilden. Gleichzeitig sind sie mit erheblichen methodischen Herausforderungen verbunden. Der nun veröffentlichte Leitfaden analysiert diese systematisch und beschreibt zentrale Problemfelder, darunter mangelnde ReprĂ€sentativitĂ€t, unzureichende DatenqualitĂ€t, fehlende zeitliche Abstimmung von Messungen und Interventionen, nicht-randomisierte Behandlungsentscheidungen sowie die Vielzahl möglicher Analysewege.
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âRoutinedaten eröffnen enorme Möglichkeiten, medizinische Fragestellungen schneller und breiter zu untersuchen. Gleichzeitig mĂŒssen wir uns der methodischen Herausforderungen bewusst sein, um valide und vertrauenswĂŒrdige Ergebnisse zu erzielenâ, so Erstautorin und Leiterin des statistischen Beratungslabors der LMU MĂŒnchen Dr. Sabine Hoffmann die Motivation, den Leitfaden zur Nutzung von RCDs zu erstellen.
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ForschungsqualitÀt steigern
Einen besonderen Fokus legten die Forschenden auf die Gefahr verzerrter Ergebnisse sowie auf Probleme im Umgang mit fehlenden und fehlerhaften Daten. DarĂŒber hinaus wird die Rolle moderner Analyseverfahren, insbesondere von Methoden der KĂŒnstlichen Intelligenz (KI), kritisch eingeordnet. Der Leitfaden zeigt, dass diese zwar groĂes Potenzial besitzen, jedoch ohne methodische Sorgfalt auch zu irrefĂŒhrenden Ergebnissen fĂŒhren können.
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Als zentrale Innovation prÀsentiert die Arbeit eine strukturierte Roadmap sowie konkrete Handlungsempfehlungen, mit denen Forschende die QualitÀt ihrer Analysen verbessern können. Dazu gehören unter anderem Strategien zur Sicherstellung von DatenqualitÀt, zur korrekten Definition von Zeitpunkten sowie zur transparenten und reproduzierbaren Berichterstattung von Studien. Durch diese umfassenden Empfehlungen leistet der Leitfaden einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der ForschungsqualitÀt. Er hilft, Fehlinterpretationen zu vermeiden, die Reproduzierbarkeit von Studien zu erhöhen und das Vertrauen in Ergebnisse aus Routinedaten nachhaltig zu stÀrken.
Der Leitfaden zur Nutzung von RCDs ist das Ergebnis einer interdisziplinĂ€ren Zusammenarbeit von Statistikern, Methodikern sowie Experten fĂŒr KI und Herzmedizinern. Mehrere der beteiligten Autoren sind Mitglieder der Stratos-Initiative (STRengthening Analytical Thinking for Observational Studies), die sich der Verbesserung statistischer Methoden und deren Anwendung in der medizinischen Forschung widmet. Die Arbeit steht im Kontext wachsender Initiativen zur Förderung hochwertiger Evidenz, unter anderem durch Institutionen wie das Institut fĂŒr QualitĂ€t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), die die Bedeutung methodisch robuster Studien fĂŒr gesundheitspolitische Entscheidungen hervorheben.
âMit diesem Leitfaden stellen wir erstmals eine umfassende, praxisnahe Orientierung bereit, die klinische und methodische Expertise vereint. Unser Ziel ist es, die QualitĂ€t der Forschung auf Basis von Routinedaten nachhaltig zu verbessern und deren Potenzial verantwortungsvoll zu nutzenâ, so der Direktor der Klinik fĂŒr Kardiologie am Uniklinikum Bonn (UKB), Prof. Dr. Georg Nickenig, und der Direktor der Klinik fĂŒr Kardiologie am Herzzentrum Leipzig, Prof. Dr. Holger Thiele. Der Letztautor der Studie und Kardiologe am Herzzentrum des UKB, Prof. Dr. Dr. Enzo LĂŒsebrink, ergĂ€nzt: âMit der Veröffentlichung in The BMJ setzt der Leitfaden einen neuen internationalen Referenzstandard fĂŒr die Analyse von Routinedaten. Er bietet Forschenden, Klinikern sowie EntscheidungstrĂ€gern eine zentrale Orientierung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung evidenzbasierter Medizin im digitalen Zeitalter.â
Quelle: KTM-Redaktion / Digitalisierung
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