Deep Dive Digital – So wird Digitalisierung zum Erfolgsfaktor

Das Gesundheitsdatennutzungsgesetz und das Digital-Gesetz sollen die Grundlagen fĂŒr eine erfolgreiche Digitalisierung im Gesundheitswesen schaffen. Was sich das BMG im Detail von beiden Gesetzen verspricht, erlĂ€utert Dr. Susanne Ozegowski in ihrer Kolumne.

„The computer age can be seen everywhere but in productivity statistics.“ Das auf NobelpreistrĂ€ger Robert Solow zurĂŒckzufĂŒhrende Bonmot von 1987 hat eine jahrzehntelange Debatte um das sogenannte ProduktivitĂ€tsparadoxon ausgelöst. Damit wird das PhĂ€nomen beschrieben, wonach kein positiver Zusammenhang zwischen IT-Investitionen und der ProduktivitĂ€t zu bestehen scheint. Exemplarisch fĂŒr dieses Paradoxon steht eine Arbeit von Stephen Roach (1991), der die ProduktivitĂ€t von Wissens- und Industriearbeitern miteinander verglichen hat. WĂ€hrend die ProduktivitĂ€t von Industriearbeitern im betrachteten Zeitraum um fast zwanzig Prozent stieg, verminderte sich die ProduktivitĂ€t von Wissensarbeitern im selben Zeitraum um knapp sieben Prozent – bei gleichzeitig ganz erheblichen Investitionskosten fĂŒr die IT der Wissensarbeiter.

Auch heute wird durch EntscheidungstrĂ€ger vielfach die Frage gestellt, ob sich eine IT-Investition „lohnt“. Dabei schwingt zu oft der Zweifel mit, ob die Gelder in der IT wirklich gut aufgehoben sind. Wichtig ist, dass der Erfolg durch Digitalisierung nicht allein dadurch entsteht, dass ein Computer angeschlossen, ein Hardware-System aufgestellt oder ein Software-System in Betrieb genommen wird. Eine erfolgreiche Digitalisierung setzt voraus, dass sich die IT in die Prozesse einer Organisation möglichst gut integriert.

„ePA fĂŒr alle“ wird zentrale Daten-Plattform 

Daher mĂŒssen wir hier und heute die Grundlagen schaffen. Ausgehend von der Digitalisierungsstrategie des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit, die im zweiten Halbjahr 2022 unter Beteiligung vieler Akteure erarbeitet wurde, sind jetzt zwei daraus entwickelte Gesetze in der parlamentarischen Abstimmung: das Gesundheitsdatennutzungsgesetz und das Digital-Gesetz. Ein zentrales Vorhaben beider Gesetze ist es, die „elektronischen Patientenakte fĂŒr alle“ zu DER Plattform zu entwickeln, um relevante Daten zentral und hochsicher sowohl fĂŒr die Versorgung jedes Patienten verfĂŒgbar zu machen als auch diese zu Forschungszwecken zur VerfĂŒgung zu stellen. 

Nicht interoperable IT-Systeme dĂŒrfen zukĂŒnftig nicht mehr im Markt verwendet werden. 

Grundlage der zunehmenden Vernetzung bleibt die InteroperabilitĂ€t – d.h. eine gemeinsame Sprache und auch gemeinsame Datenmodelle fĂŒr die IT. DafĂŒr gibt es ab dem kommenden Jahr mit dem Kompetenzzentrum fĂŒr InteroperabilitĂ€t den zentralen Akteur fĂŒr InteroperabilitĂ€t im Gesundheitswesen, welches verbindliche InteroperabilitĂ€ts-Regeln festlegen, prĂŒfen und zertifizieren darf. Nicht interoperable IT-Systeme dĂŒrfen zukĂŒnftig nicht mehr im Markt verwendet werden – damit wird InteroperabilitĂ€t endlich verbindlich. Mit dem Recht auf InteroperabilitĂ€t schaffen wir zudem einen Anspruch, damit Versicherte ihre Daten auch erhalten – und zwar in einer Form, die es ihnen ermöglicht, sie digital zu verwenden. InteroperabilitĂ€t bietet aber nicht nur den Versicherten einen Mehrwert: Auch Leistungserbringer sollen ihre eigenen Versorgungsdaten nutzen können, sei es fĂŒr die Forschung, sei es zur QualitĂ€tssicherung.

InteroperabilitÀt wird verbindlich

DarĂŒber hinaus zeigen zu viele Diskussionen, dass noch immer Unsicherheit darĂŒber besteht, unter welchen Bedingungen Gesundheitsdaten in die Cloud dĂŒrfen. Das stellen wir klar. Ebenso legen wir verbindliche Anforderungen an die Informationssicherheit fest, damit Daten dort bleiben, wo sie hingehören.

Das kann nur ein Anfang sein; wir werden die Regelungen zukĂŒnftig weiterentwickeln – vor allem mit Ihrer UnterstĂŒtzung. Damit wir unserem Ziel nĂ€herkommen, einem digital vernetzten Gesundheitswesen, das fĂŒr die Menschen da ist.

Transparente Anforderungen an Cloud-Nutzung und Informationssicherheit

Und falls doch noch jemand zweifelt: Neuere Untersuchungen beweisen, dass sehr wohl ein positiver Zusammenhang zwischen IT-Investitionen und (Unternehmens-)Erfolg liegt. Allerdings zeigt sich der Erfolg einer Investition erst nach bis zu drei Jahren – sofern der Zusammenhang erkannt wird. Denn zu hĂ€ufig wird ein Erfolg zu Unrecht nicht auf eine frĂŒhere IT-Investition zurĂŒckgefĂŒhrt, sondern auf ganz andere Faktoren.

Quelle: Dr. Susanne Ozegowski (BMG), unter Mitwirkung von Thomas SĂŒptitz 2023. Thieme