DKI-Studie – AOP-Kosten-Erlösvergleich offenbart Unterfinanzierung

DKI-Studie – AOP-Kosten-Erlösvergleich offenbart Unterfinanzierung

34 Prozent der anfallenden Kosten fĂŒr ambulante Eingriffe im Krankenhaus sind im Durchschnitt nicht gedeckt. Die DKG sieht einen dringenden Handlungsbedarf, vor allem im Hinblick auf die angestrebte Ambulantisierung.

Laut einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) sind ambulante Operationen und stationsersetzende Eingriffe deutlich defizitĂ€r. Durchschnittlich 34 Prozent der anfallenden Kosten sind im Durchschnitt nicht gedeckt. Insgesamt haben fĂŒr den von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beauftragten Bericht 45 Kliniken Kosten- und Erlösdaten zu rund 18 500 FĂ€llen geliefert (vier Prozent der HĂ€user, die Leistungen gemĂ€ĂŸ § 115b SGB V erbringen). 

FĂŒr die DKI-Studie wurde aus 14 Leistungsbereichen des Katalogs fĂŒr ambulant durchfĂŒhrbare Leistungen (AOP) der jeweils fallstĂ€rkste Eingriff ausgewĂ€hlt. Mit dem Ergebnis, dass 34 Prozent der Kosten nicht durch die Erlöse des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM-Erlöse) gedeckt werden, offenbare sich laut DKG dringender Handlungsbedarf. Vor allem bei der zukĂŒnftigen VergĂŒtungsgestaltung in KrankenhĂ€usern mit Blick auf die geplante Erweiterung des AOP-Katalogs. 

Erkenntnisse aus dem Gutachten

Laut dem Gutachten erbringen im Jahr 2020 die KrankenhĂ€user 23 Prozent der Eingriffe im Bereich des ambulanten Operierens, die wesentlichen Leistungserbringer sind dabei KrankenhĂ€user mit ĂŒber 600 Betten. 

Die VergĂŒtung des EBM hat aus Sicht der Studienautoren jedoch „grundlegende Nachteile“ im Vergleich zur DRG-Systematik, so werde der EBM nicht regelhaft auf Basis von Ist-Kosten aktualisiert, es sei kein „lebendes System“, sondern weitestgehend starr und von normativen Vorgaben geprĂ€gt. Zudem wĂŒrdige der EBM in der VergĂŒtung nicht, dass der ambulante Krankenhausbereich und der vertragsĂ€rztliche Bereich strukturelle Unterschiede aufweisen wĂŒrden. So unterscheide sich das Qualifikationsniveau des Krankenhauspersonals deutlich vom vertragsĂ€rztlichen Bereich, zum Beispiel hochqualifizierte PflegekrĂ€fte im ambulanten Krankenhausumfeld statt medizinischer Fachangesteller. Zudem wĂŒrde die stĂ€ndige Erreichbarkeit von KrankenhĂ€usern als zentraler Bestandteil der postoperativen Eingriffe nicht nur von KrankenhĂ€usern, sondern auch von niedergelassenen Operateuren genutzt. Laut dem DKI-Gutachten gibt es Hinweise darauf, dass ambulante OP-Zentren bei postoperativen Komplikationen auf die Kliniken verweisen wĂŒrden. Auch dieser Punkt ist der VergĂŒtung nicht zusĂ€tzlich berĂŒcksichtigt.

Bis zu 67 Prozent ungedeckte Kosten

Die Unterfinanzierung variiert je nach Leistung, liegt jedoch fĂŒr fast alle betrachteten Leistungen (12 von 14) im zweistelligen Prozentbereich. Die Diagnostische Urethrozystoskopie (OPS-Code 1-661) weist mit 67 Prozent den höchsten Anteil nicht gedeckter Kosten auf, gefolgt von der Adenotomie (OPS 5-285.0) mit 59 Prozent. Absolut betrachtet entsteht hier mit 403,83 Euro auch der grĂ¶ĂŸte Verlust. Lediglich bei zwei der ausgewerteten Eingriffe (OPS-Code 5144a/ExtrakapsilĂ€re Extraktion der Linse sowie OPS-Code 5-897.0/Exzision und Rekonstrukion eines Sinus pilondialis) liegen die Erlöse ĂŒber den Kosten. Der Überschuss liegt durchschnittlich bei 6,82 Euro bzw. 135,56 Euro.

Allein die Höhe der ermittelten Personalkosten des Ärztlichen Dienstes, des Pflegedienstes sowie des medizinisch-technischen Dienstes einer diagnostischen Koloskopie – hier wurden fĂŒr das Gutachten die meisten FĂ€lle ausgewertet (3498) – wĂŒrden bereits die durch den EBM erzielbaren Erlöse ĂŒbersteigen, was zu einer durchschnittlichen Kostendeckung von zwölf Prozent allein in diesem Bereich fĂŒhre. Hinzu kommen Defizite aus anderen Bereichen der Personalkosten, Sachkosten sowie infrastruktureller Kosten. 

Mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ambulantisierung

Nach Ermessen der Studienautoren ist eine VergĂŒtungslogik, die allen Leistungserbringern gerecht wird, vonnöten. Eine systematische Benachteiligung elementarer Leistungserbringer sei nicht zielfĂŒhrend. Insgesamt mĂŒssten die strukturellen Unterschiede berĂŒcksichtigt, oder die Defizite „durch ergĂ€nzende LeistungsvergĂŒtungen fĂŒr KrankenhĂ€user“ aufgefangen werden, heißt es. Da auch weitere VergĂŒtungsbestandteile, wie etwa die Sachmittel, mit bestehenden Regelungen nicht sachgerecht refinanziert oder ĂŒberhaupt vergĂŒtet werden, sei eine Anpassung der AOP-Regelungen dringend notwendig. 

Aus Sicht der DKG ist der EBM nicht zur VergĂŒtung der AOP-Leistungen in den KrankenhĂ€usern geeignet. „Ambulante Operationen und stationsersetzende Eingriffe im Krankenhaus auskömmlich zu vergĂŒten, ist dringend nötig, um die Ambulantisierung im Krankenhaus nachhaltig zu unterstĂŒtzen und zu beschleunigen“, so der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß.

Quelle: Luisa-Maria Hollmig 2022. Thieme