DMEA – Show der Rekorde

Das war die Rekord-DMEA 2026: Die Berliner Messehallen vibrierten mit 900 Ausstellern aus fast 30 Ländern, mehr als 550 Referierenden und 22.000 Teilnehmenden. Nach der Mega-Show fragt sich nun die Community: Was wird aus dem Location-Clash zwischen Berlin und München?

Die Veranstaltung unterstrich laut den Machern erneut ihre branchenprägende Rolle als „zentrale Plattform für die digitale Transformation des Gesundheitswesens“. Die drei aus Besuchersicht relevantesten Angebotsbereiche der DMEA 2026 waren Künstliche Intelligenz (KI)‚Mobile Health und Telemedizin.

Politische Botschaften

KI wird zu einem weiteren Schwerpunkt der Digitalstrategie des Bundes, hatte Nina Warken bei der Eröffnung erklärt. KI-Reallabore unterstützen diese Anforderung. Die gematik erfährt eine weitere Stärkung, das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) kommt mit zahlreichen Maßnahmen, Interoperabilität muss sich weiter durchsetzen, Konformitätsbewertungsverfahren werden ausgebaut und der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) wird in Deutschland umgesetzt, betonte die Bundesgesundheitsministerin. Ein- und Ausgaben müssten in der GKV ins Lot gebracht werden. Es gehe darum, mit – und nicht durch – Digitalisierung zu sparen … wie auch Matthias Meierhofer vom bvitg unterstrichen hatte. Nur mit Digitalisierung ließen sich Finanz-, GKV-, Pflege- und Notfallreform lösen, auch vor dem Hintergrund von Demografie und Fachkräftemangel. Digitalisierung erfordere Vertrauen und Akzeptanz im Arbeitsalltag … beim medizinischen Personal und bei den Kassen. Nicht „die beste Digitalisierung“ setze sich durch, sondern „die am besten angenommene“, fuhr die Ministerin fort.

Trendthema KĂĽnstliche Intelligenz

Gefühlt war auf der DMEA kaum ein Standvertreter zu finden, der nicht von Künstlicher Intelligenz sprach. Vielfältig ist das Nutzenversprechen 

  • von maschinellem Lernen, 
  • von Deep Learning, 
  • neuronalen Netzwerken und 
  • LLMs. 

Es reicht von der Automatisierung unwillkommener Aufgaben über die Präzisierung der Diagnostik bis hin zur agentengetriebenen Steuerung von Abläufen. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmenden aus Krankenhäusern und Wissenschaft darüber, dass sich der Einsatz von KI noch in den Anfängen befindet. Regulatorik, Kosten und mangelnde Infrastruktur sahen sie neben Halluzinationen als die wichtigsten Hemmnisse bei der Durchsetzung. Neben der Diagnostik in Bildgebung und Labor zählten die Arztbriefschreibung und weitere Lösungen zur Entlastung von Bürokratie zu den meistzitierten Use Cases … immer mit dem „Human in the Loop“. Die Voraussetzung für die erfolgreiche Verwendung sind vertrauenswürdige, interoperable Daten … medizinisch und kaufmännisch, so der Tenor.

 

 

Panelrunde und Empfang: Die Nordischen Botschaften stellten den Europäischen Gesundheitsdatenraum in den Fokus. Der EHDS bedeute einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Integration des Gesundheitsdatenmanagements in Europa, so der Tenor. Wie lassen sich die Pionierentwicklungen in den nordischen Ländern zu den Vorgaben des EHDS passend machen?

Eines wurde unter dem Motto „Von der Politik zur Praxis: Umsetzung des EHDS“ deutlich: „Der Erfolg dieser Rahmenvorgabe entscheidet sich nicht in der politischen Gestaltung, sondern in der Umsetzung“, gab Dr. Viola Henke die zentrale Botschaft wieder. Die nordischen Länder zeigen laut der stellvertretenden bvitg-Vorsitzenden, dass der EHDS keine ferne Vision ist. So sorge bereits jetzt eine verbesserte Datenverfügbarkeit für Effizienzgewinne in der Gesundheitsversorgung. Der Datenaustausch entlang des Patientenpfades sei in den Nordics Realität. Investitionen sind hierzu nötig, und Koordination sowie Priorisierung sind Herausforderungen, die Europa gemeinsam hat.

 

Und Deutschland? 

 

Wir fangen nicht bei null an. Rahmenbedingungen müssen jedoch in großem Maßstab in die operative Realität umgesetzt werden, beschrieb Henke die Aufgabe. Hierzu müssen

  •  Interessengruppen aufeinander abgestimmt, 
  • die Infrastruktur aufgebaut, 
  • Interoperabilität sichergestellt und 
  • die richtigen Daten zugänglich gemacht werden. 

Hier beginnt die eigentliche Arbeit, und hier kommen viele Aktivitäten ins Stocken, fuhr die bvitg-Vize fort.

Die europäischen Länder befinden sich in sehr unterschiedlichen Phasen der Umsetzung: Einige stehen noch ganz am Anfang, andere verfügen über jahrelange Erfahrung. Voneinander lernen und den Dialog in ganz Europa aufrechterhalten – so kommen wir gemeinsam voran, erklärte Henke. Jedes Land werde auf dieselbe Hürde stoßen – die Kluft zwischen Politik und Umsetzung. An dieser Stelle entscheide sich, wie sich der EHDS entwickelt.

Innovation versus Datenschutz?

Die Rechtsmedizinerinnen Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider und Dr. Linda Bienemann stellten das ReguLab vor, eine Datenschutz-Sandbox für verantwortungsvolle Innovation im Gesundheitswesen. Die Rechtsunsicherheit lasse Innovationen häufig scheitern, so Specht-Riemenschneider, die aktuelle Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI), aber Innovation brauche Regulierung. Überall in Deutschland entstünden Innovationen, „die die Welt verbessern“; mehr als 25.000 Erfindungen aus Deutschland wurden im Jahr 2024 zum Patent angemeldet. Aber 70 Prozent der Unternehmen fühlten sich vom Datenschutz ausgebremst. Dagegen sorgten sich rund 68 Prozent der EU-Bürger um den Schutz ihrer Daten.

 

Weil der Bezug zwischen Innovation und Datenschutz so kompliziert sei, soll das ReguLab Rechtsklarheit für technologische Entwicklungen erarbeiten. Das Programm begleitet die Entwicklung neuer Technologien über Monate hinweg, identifiziert und beantwortet Datenschutzfragen und leuchtet rechtliche Graubereiche aus – praxisnah und lösungsorientiert. Ziel ist laut Specht-Riemenschneider die datengestützte Innovation bei gleichzeitiger Einhaltung eines hohen Datenschutzniveaus. Zudem werden Projekterkenntnisse für das gesamte Innovationsökosystem nutzbar gemacht: Die ReguLab-Reports

  • dokumentieren datenschutzrechtliche Erkenntnisse aus abgeschlossenen Projekten;
  • sie benennen unter anderem die datenschutzrechtlichen Herausforderungen der Innovationen und praxistauglichen Lösungsansätze, ohne Betriebsgeheimnisse preiszugeben, und
  • sie verwandeln Einzelfälle in Kollektivdaten, die fĂĽr alle zugänglich sind.

So entstehen Evidenz für eine wirksame Regulierung sowie Orientierung für vergleichbare Fragen, und die datenbasierte Innovation wird gefördert – ausgehend von einer deutschen Behörde.

München – oder doch Berlin 2027?

Die DMEA geht von der Spree an die Isar – und zwar wohl mit den meisten, oder allen, Mitgliedsunternehmen des bvitg: So viel war zum Ende der erfolgreichen DMEA 2026 klar. Entzerrt die Messe Berlin die Terminsituation für ihr Alternativangebot mit dem Bitkom? HCM hält Sie über Entwicklungen auf dem Laufenden.

Quelle: Mirjam Bauer/Michael Reiter

 

 

  
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