Krankenhausmarkt konsolidiert sich – KIS-Markt vor tiefgreifendem Wandel

Insolvenzen und Private Equity prÀgten 2025 den M&A-Markt im Gesundheitswesen

Der deutsche Gesundheitsmarkt blieb 2025 unter Druck. Die beschlossene Krankenhaus-reform, die sich abzeichnende Gesundheitsreform und FachkrĂ€ftemangel belasteten Betreiber ĂŒber alle Segmente hinweg. Inflationsbedingt gestiegene Personal- und Energie-kosten verschĂ€rften die Situation. Trotzdem blieb der M&A-Markt im Gesundheitswesen aktiv: 240 Deals verzeichnet der „Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2025“ von PwC fĂŒr das Jahr 2025. Die Anzahl der Deals blieb damit fast exakt auf dem Vorjahresniveau (2024:237 Deals).

Transaktionsmonitor Gesundheitswesen 2025 von PwC: 240 Deals im Jahr 2025 – stabiles Niveau zum Vorjahr / Klinikmarkt weiter von Insolvenzwelle geprĂ€gt, freigemeinnĂŒtzige und private Krankenhausgruppen sowie Kommunen selektiv als KĂ€ufer / MVZ-Markt 59 von 68 Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung / Pflegesektor auf Höchststand mit 79 Deals, davon 30 aus Insolvenz / Deal-Volumen bei Pflegeimmobilien steigt um 18 Prozent

Die 240 Transaktionen verteilen sich wie folgt: 79 Deals entfielen auf Pflegebetriebe (rund 33 Prozent), 68 auf niedergelassene Leistungserbringer und Labore (rund 28 Prozent), 48 auf Pflegeimmobilien (20 Prozent), 33 auf KrankenhĂ€user und Fachkliniken (rund 14 Prozent) sowie 12 auf den Bereich stationĂ€re und ambulante Rehabilitation (5 Prozent). Die PwC-Analyse erfasst alle Deals aus öffentlich zugĂ€nglichen Quellen fĂŒr das zurĂŒckliegende Jahr.

Insolvenzwelle im Klinikmarkt

Im Krankenhaussektor blieb der Restrukturierungsdruck hoch: 66 Prozent der AllgemeinkrankenhĂ€user ab 100 Betten schrieben 2024 – aus diesem Jahr sind die aktuellsten Daten – Verluste. Das ist ein Anstieg um fĂŒnf Prozentpunkte gegenĂŒber dem Vorjahr. FĂŒr 2025 erwarten 70 Prozent der HĂ€user einen Jahresfehlbetrag.

Vor allem die Insolvenz der DRK TrĂ€gergesellschaft SĂŒd-West betraf im Jahr 2025 mehrere Standorte. Sie gingen sukzessive an verschiedene TrĂ€ger: das Krankenhaus Neuwied an die Marienhaus-Gruppe, Hachenburg an das Evangelische Krankenhaus Dierdorf/Selters und drei psychiatrische Einrichtungen an VALEARA (GENUI). Die St. Franziskus-Stiftung MĂŒnster ĂŒbernahm eine Mehrheitsbeteiligung vom Erzbistum Köln am Verbund Katholischer Kliniken DĂŒsseldorf mit rund 50 Fachkliniken und Kompetenzzentren. Private-Equity-Investoren traten bei nur fĂŒnf der 33 Krankenhaustransaktionen als KĂ€ufer auf.

„FreigemeinnĂŒtzige und private Krankenhausgruppen sowie kommunale TrĂ€ger nutzen das Marktumfeld zur selektiven regionalen Konsolidierung. Zugleich haben insolvente HĂ€user zunehmend Schwierigkeiten, neue TrĂ€ger zu finden, und stellen ihren Betrieb komplett ein.“

Als Alternative zur Schließung etablierten sich, so von Friesen, Transformationspfade – etwa die Umwandlung in ein ambulantes Gesundheitszentrum oder die Spezialisierung als Fachklinik.

Private Equity erreicht Rekordanteil bei MVZ-Transaktionen

Bei den niedergelassenen Leistungserbringern und Laboren stieg die Zahl der Transaktionen mit Private-Equity-Beteiligung deutlich: von 40 im Jahr 2024 auf nun 59 von insgesamt 68 Deals. Folgende Deals stachen heraus: GENUI verĂ€ußerte die auf Psychosomatik und Psychotherapie spezialisierte VALEARA-Gruppe an Luxempart. Carlyle stieg mit rund 250 Millionen Euro bei der Augenheilkundeplattform Sanoptis ein Mit der Übernahme von Stingray Healthcare (auch in Deutschland aktiv) durch Amethyst Radiotherapy (Fremman Capital) schlossen sich zwei der drei grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Plattformen fĂŒr Krebsbehandlung zusammen. Sanecum (Adiuva Capital) konnte mit der Übernahme der Radiologische Allianz Hamburg mit 20 Einrichtungen und rund 300 Mitarbeitenden einen wesentlichen Zukauf in der Radiologie verbuchen.

Ob es in 2026 zu grĂ¶ĂŸeren Exits von Private Equity im MVZ-Markt kommen wird, wird bleibt abzuwarten. Ein EuGH-Urteil vom Dezember 2024 erlaubt EU-Mitgliedstaaten, Finanzinvestorenbeteiligungen an Rechtsanwaltsgesellschaften einzuschrĂ€nken. Das Urteil könnte als Referenzrahmen fĂŒr eine mögliche Übertragbarkeit auf den Gesundheitssektor dienen.

„Anders als in der Vergangenheit bremsen diesbezĂŒgliche regulatorische Unsicherheiten das GeschĂ€ft aber aktuell eher nicht, dagegen werden die möglichen negativen Auswirkungen der aktuellen VorschlĂ€ge fĂŒr Einsparungen im ambulanten Bereich zur Stabilisierung der GKV-BeitrĂ€ge und die anstehende GoÄ Reform sehr genau analysiert. Andererseits wird der Zwang, sich effizient auch unter Zuhilfenahme von Digitalisierung aufzustellen, zu weiterer Konsolidierung fĂŒhren und grĂ¶ĂŸere Einheiten begĂŒnstigen.“

Pflege bleibt stĂ€rkster Transaktionsbereich – Pflegeimmobilien legen zu

Der Pflegesektor verzeichnete 2025 mit 79 Transaktionen einen Höchststand. 30 Deals entfielen auf Insolvenzen. Zu den Deals im Einzelnen: Die Argentum Pflege Gruppe ging mit 22 Einrichtungen und rund 1.600 Mitarbeitenden an Lafayette Mittelstand Capital. Die opseo-Gruppe (Apheon/Sofina) baute ihre Position in der Intensivpflege durch die Übernahmen der CCC-Intensivpflege-Gruppe und der Lebenswert weiter aus. Die Insolvenz des mit Risikokapital finanzierten Anbieters Kenbi fĂŒhrte zur Aufspaltung: Die Pflegewerk-Gruppe ĂŒbernahm 29 Standorte, die Pflegeunion DĂŒsseldorf und Lebensblick Mobile Pflege weitere 13.

Auch im Immobiliensegment stieg das Transaktionsvolumen 2025 gegenĂŒber dem Vorjahr um 18 Prozent. Die Freie und Hansestadt Hamburg erwarb ĂŒber die stĂ€dtische Konzernholding HGV das Portfolio „PFLEGEN UND WOHNEN Hamburg“ von der Deutschen Wohnen fĂŒr rund 380 Millionen Euro zurĂŒck. Dies betrifft 13 Pflegeheimstandorte mit rund 2.400 PflegeplĂ€tzen.

„Bei Pflegeimmobilien ist die Preisfindungsphase weitgehend abgeschlossen. KĂ€ufer- und VerkĂ€ufererwartungen haben sich angenĂ€hert, die Spitzenrenditen blieben 2025 stabil.“

Dies erklĂ€re das deutlich höhere Transaktionsvolumen. Der PwC-Experte ergĂ€nzt: „Das Betreiberrisiko bleibt der zentrale limitierende Faktor, weil die regulierten Refinanzierungssysteme den FachkrĂ€ftemangel und hohe Personalkosten nur eingeschrĂ€nkt auffangen.“ Schrödl verweist auf erste Transaktionen Anfang 2026, die die fortschreitende Konsolidierung bestĂ€tigen: die Übernahme der Vitanas durch Domidep (I Squared Capital) und den Erwerb von DKV-Einrichtungen durch die MĂŒnchner Augustinum Gruppe.

Digitale Gesundheit: KIS-Markt im Umbruch nach SAP-RĂŒckzug

Bei den digitalen Leistungserbringern blieb der Markt im Jahr 2025 von breit gestreuten Finanzierungen geprĂ€gt. So erhielt die Berliner Plattform Amboss mit 240 Millionen Euro die grĂ¶ĂŸte deutsche Digital-Health-Finanzierung des Jahres. Sequoia investierte 30 Millionen Euro in Avelios Medical zur Entwicklung eines neuen Krankenhausinformationssystems (KIS). Anfang 2026 stieg auch SAP bei Avelios ein – parallel zur Einstellung des Moduls „SAP fĂŒr Healthcare“, die viele Kliniken zum Wechsel ihres KIS i.s.h.med zwingt. Die im Mai 2026 bekannt gegebene Partnerschaft zwischen Avel und der Fresenius Group könnte einen Strukturwandel im KIS-Markt markieren. Auch andere KIS-Anbieter wie Mesalvo, Dedalus oder Deutsche Telekom Healthcare versuchen hier zu profitieren und Marktanteile zu gewinnen.

„KrankenhĂ€user mĂŒssen jetzt handeln. Der RĂŒckzug von SAP aus dem Healthcare-Modul, die Krankenhausreform und die aktuellen Transaktionen im Markt schaffen ein Zeitfenster, das Kliniken aktiv nutzen sollten, um ihre digitale Infrastruktur neu aufzustellen. Agentic AI und KI-basierte Plattformen eröffnen dabei die Chance, Prozesse grundlegend effizienter zu gestalten und die Transformation im stationĂ€ren Sektor deutlich zu beschleunigen.”

Quelle: Michael Ey,Global Health Services Leader und Partner bei PwC Deutschland

 

  
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