Milliarden-Deal – Philips verkauft 15 Prozent an die Agnelli-Familie

Seit einiger Zeit steht der Medizintechnikkonzern Philips unter Druck – vor allem aufgrund des RĂŒckrufs von BeatmungsgerĂ€ten. Durch ein Sparprogramm sollen tausende Stellen wegfallen. Nun steigt die italienische Agnelli-Familie mit Milliarden ein.

Der Medizintechnikkonzern Philips hat sich in einer schwierigen Phase den Einstieg eines Großinvestors gesichert. Die Finanzholding Exor der italienischen Agnelli-Familie hat am Markt 15 Prozent der Anteile an den NiederlĂ€ndern gekauft, wie die Unternehmen am 14. August in Amsterdam mitteilten. Der Deal hat nach Angaben eines Philips-Sprechers einen Wert von rund 2,6 Milliarden Euro. Philips könnte der Einstieg angesichts der Unsicherheit um teure ProduktrĂŒckrufe in den USA etwas StabilitĂ€t verschaffen. Exor baut derzeit seine Investments in Gesundheits-, Technologie- und Luxus-Unternehmen aus. Die Philips-Aktie zog in Amsterdam deutlich an.

Exor unterstĂŒtzt GeschĂ€ftsstrategie

Das Papier gewann nach Handelsstart 5,6 Prozent auf 19,53 Euro. Im laufenden Jahr hat der Kurs seine Gewinne damit auf fast 40 Prozent ausgebaut. Allerdings war der Wert von Philips seit dem Hoch im Jahr 2021 kontinuierlich von ĂŒber 50 Euro auf im Tief nur noch gut 12 Euro abgerutscht. Aktien vom Philips-Rivalen Siemens Healthineers lagen zum Wochenbeginn im Dax 0,7 Prozent im Plus.

Mit dem Investment unterstĂŒtze Exor die GeschĂ€ftsstrategie von Philips, hieß es. Exor habe derzeit keine PlĂ€ne, kurzfristig weiter aufzustocken, könne unter der geschlossenen Vereinbarung den Anteil jedoch bis auf maximal 20 Prozent erhöhen. Die Holding bekomme auch einen Sitz im Aufsichtsrat.

Exor-Chef und Agnelli-Familienerbe John Elkann sagte, Philips‘ Fokus auf das Gesundheitswesen sowie auf Technologie liege im Einklang mit dem Engagement von Exor. Exor ist unter anderem beteiligt an Konzernen wie Stellantis, Ferrari und Iveco, aber auch am Fußballclub Juventus Turin und am britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“. Die Agnelli-Familie kontrolliert die Holding ĂŒber ihren Anteil von 53 Prozent. Die italienische Unternehmerdynastie gehörte zu den GrĂŒndern des Autobauers Fiat.

GerĂ€terĂŒckruf belastet Philips

Den Philips-Konzern belastet derzeit der kostspielige RĂŒckruf von BeatmungsgerĂ€ten und GerĂ€ten fĂŒr die Schlaftherapie. Nach Angaben von Philips aus dem Juli waren zuletzt etwa 99 Prozent der AustauschgerĂ€te und Ersatzteile produziert und der grĂ¶ĂŸte Teil davon bereits an Kunden und Patienten geliefert worden.

In den betroffenen BeatmungsgerĂ€ten wurde ein DĂ€mmschaumstoff verarbeitet, von dem sich Partikel lösten. Der verwendete Schaumstoff steht im Verdacht, im Laufe der Zeit giftig zu werden. Das Unternehmen hat rund eine Milliarde Euro fĂŒr den RĂŒckruf von rund 5,5 Millionen GerĂ€ten weltweit eingeplant und zusĂ€tzlich 575 Millionen Euro als Teil eines geplanten Vergleichs in den USA zur EntschĂ€digung von Patienten zurĂŒckgestellt. Allerdings laufen weiterhin Sammelklagen gegen das Unternehmen in den USA.

Unternehmenschef Roy Jakobs hatte im vergangenen Oktober die Leitung des Unternehmens ĂŒbernommen und ein Sparprogramm aufgelegt, bei dem 10 000 Stellen bis 2025 abgebaut werden sollen. Im TagesgeschĂ€ft lief es zuletzt nach einigen mauen Quartalen wieder besser. Nach dem zweiten Quartal hob Philips im Juli seine Jahresziele fĂŒr Umsatz und operatives Ergebnis an.

Quelle: dpa/gnj