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Saarland – Elf Kliniken, ein Ziel – Datenaustausch über die Cloud

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Im Saarland tauschen zukünftig mehrere Kliniken ihre Patientendaten über die Cloud aus. Bis Ende 2025 soll ein gemeinsamer Zugang zum Patientenportal entstehen – trotz technischer Vielfalt. Die Pilotphase läuft, Ende Juli gehen die ersten Häuser live.

Der Startschuss für das ambitionierte Projekt fiel im Oktober 2024. Laut Saarländischer Krankenhausgesellschaft beteiligen sich elf saarländische Krankenhäuser unterschiedlicher Größe und Träger. Klappt alles wie geplant, sollen die Patientenportale der beteiligten Kliniken bis Ende 2025 online gehen. Im kommenden Jahr sollen zudem sechs weitere Krankenhäuser an die gemeinsame Interoperabilitätsplattform angebunden werden.

Diese Häuser waren bereits früher gestartet. Sie hatten eigene Anträge auf finanzielle Förderung nach dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) gestellt oder sogar schon eine Ausschreibung vorgenommen. „Wir haben uns daher entschieden, im kleineren Kreis zu beginnen und die früher gestarteten Einrichtungen über Konnektoren und Integration an das saarländische Patientenportal anzubinden, um so eine gemeinsame Struktur aufzubauen“, erklärt Lars von Ohlen, der das Projekt von Anfang an betreut.

Sektorenübergreifende Versorgungsplattform

Mit dem Patientenportal soll auch das Konzept eines virtuellen Krankenhauses umgesetzt werden, welches noch auf die Coronapandemie zurückgeht. Damals bestand die Notwendigkeit, die Intensivstationen des Saarlandes zu vernetzen, um die Beatmungskompetenz des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) den anderen Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen.

So entstand die Idee einer regionalen sektorenübergreifenden Versorgungsplattform. Sie soll zunächst den Datenaustausch zwischen den Krankenhäusern ermöglichen und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Beteiligte, etwa aus dem ambulanten Sektor, in die Kommunikation einbeziehen.

Von Ohlen war damals als Bereichsleiter für klinische Applikationen am UKS für die Digitalisierungsprojekte des KHZG und damit auch für die Initiierung des virtuellen Krankenhauses verantwortlich. Obwohl zwischenzeitlich als CIO an das Universitätsklinikum Greifswald gewechselt, ist er nach wie vor Projektleiter des virtuellen Krankenhauses.

Ein Patientenzugang für alle Krankenhäuser

Die saarländischen Krankenhäuser können aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse, Systeme und Prozesse kein zentrales Portal nutzen. Jedes Krankenhaus erhält daher sein eigenes Portal mit eigener Datenhaltung. Für die Patienten soll eine gemeinsame Einstiegsseite eingerichtet werden, sodass sie sich mit einem einzigen Account bei allen angebundenen Krankenhäusern anmelden können.

Der Austausch der Patientendaten erfolgt, nach Freigabe durch die Patienten, über eine Cloud. Zunächst sollen unstrukturierte Daten wie PDF- oder Bilddateien, später strukturierte Informationen zwischen den Krankenhäusern ausgetauscht werden.

Einführung wird oft unterschätzt

Die gemeinsame Ausschreibung des Patientenportals hat der Anbieter Planfox gewonnen, der, unterstützt von einem Projektsteuerer und einem Integrationsspezialisten, sein Portal in allen am Projekt beteiligten Häusern installiert. Grundsätzlich werde der Aufwand für die Einführung eines Patientenportals unterschätzt, meint Nurgül Abdullahi, CSO von Planfox.

Der Grund: Ein Patientenportal werde häufig mit der Einführung einer beliebigen Software gleichgesetzt, die keinen Einfluss auf die Unternehmensprozesse habe. „Deshalb wird oft zu spät realisiert, dass die Prozesse geändert werden müssen“, erklärt sie. „Im Saarland-Projekt verhält es sich anders, weil wir mit dem Blueprint ein sauberes Vorgehen aufgebaut haben“, ergänzt sie. 

Wir haben gute Bedingungen, um über alle Einrichtungen hinweg einheitliche Prozesse einführen zu können. 

Beim sogenannten Blueprint handelt es sich um eine Sammlung von Musterlösungen für verschiedene Prozesse. Über den Blueprint werden die Prozesse in den Krankenhäusern in geringem Maße abgeglichen, damit sie ähnlich verlaufen können. Ein 1:1-Abgleich sei aber nicht möglich, erläutert Abdullahi. Zur Erstellung des Blueprints wurden in vier Piloteinrichtungen die Prozesse von jeweils drei identischen Fachbereichen betrachtet und vereinheitlicht.

Bei der Auswahl der Blueprint-Häuser haben die Verantwortlichen darauf geachtet, dass unterschiedliche Systeme und Schnittstellen vertreten sind und die Einrichtungen auch unterschiedliche Schwerpunkte haben. „Wir haben einen guten Mix, der die Besonderheiten aus den einzelnen Spezialkliniken berücksichtigt“, stellt Abdullahi fest. „Dadurch haben wir gute Bedingungen, um über alle Einrichtungen hinweg einheitliche Prozesse einführen zu können.“

Prozessanalyse in den Pilotkliniken

Die Basisinstallation ist abgeschlossen. Das bedeutet, dass das Clinical Data Repository, eine zentrale Datenbank, welche die patientenbezogenen Gesundheitsdaten aus verschiedenen IT-Systemen und Quellen für den Datenaustausch sammelt, in den Pilotkliniken aufgesetzt ist. „Wir sind jetzt dabei, die analysierten Prozesse aus den einzelnen Häusern im Patientenportal umzusetzen“, erklärt von Ohlen.

Für die Prozessanalyse mussten die Krankenhäuser zu Beginn ihre Prozessabläufe betrachten und mögliche Systembrüche identifizieren. Zahlreiche Fragen galt es zu klären, etwa aus welchen unterschiedlichen Systemen die Kliniken Informationen holen. „Man muss sich an die Prozesse trauen und betrachten, wie Daten gespeichert werden und wie sie in Zukunft gespeichert werden sollen“, fasst Abdullahi zusammen. Dazu gehört auch, die Menschen mitzunehmen und ein Change Management zu integrieren.

Die Anforderungen der einzelnen Häuser werden vom Projektteam zentral gesammelt und in sogenannte Cluster sortiert. Einerseits müssen die Prozesse so gut es geht harmonisiert sein, andererseits müssen die Bedürfnisse der einzelnen Häuser berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass an den einzelnen Portalen sehr viele Anpassungen vorgenommen werden müssen. „Wir werden aber nicht jede Anforderung erfüllen können“, so Abdullahi. 

Wir mussten einige Abstriche machen. 

Auch von Ohlen weiß, dass es schwierig ist, die Bedürfnisse der unterschiedlichen Krankenhäuser unter einen Hut zu bekommen. Eine gemeinsame Datenspeicherung bzw. eine zentrale Datenhaltung war aus Datenschutzgründen nicht zulässig. „Wir mussten einige Abstriche machen“, stellt er fest, „haben uns aber darauf geeinigt, Strukturen zu schaffen, die dennoch funktionieren und allen Beteiligten gerecht werden.“

Ende Juli soll die Pilotierung abgeschlossen sein. Dann gehen die Pilotabteilungen der Blueprint-Häuser live. In dieser Phase des Projekts erfolgt die Überprüfung, ob die definierten Prozesse in der Praxis funktionieren oder ob noch ein Feintuning erfolgen muss. Beim eigentlichen Rollout geht es dann darum, welche Klinik welche Teile aus dem Blueprint benötigt.

Wie es nach dem Rollout weitergeht

Anfangs werden Krankenhäuser untereinander medizinische Daten austauschen. Diese Kommunikation soll über den TI-Dienst KIM (Kommunikation im Medizinwesen) erfolgen. Langfristig, wenn auch Patienten sowie Haus- und Facharztkliniken eingebunden werden, soll die Kommunikation über den TI-Messenger erfolgen. „Das werden wir über andere Strukturen so schnell nicht erreichen“, so von Ohlen.

Langfristig wird man sich damit beschäftigen müssen, die verschiedenen regionalen Patientenportale bundesweit und auch grenzüberschreitend zu vernetzen. Das Patientenportal im Saarland beispielsweise wird zwar regional genutzt.

„Rund 25 Prozent unserer Patienten kommen aber nicht aus Deutschland, sondern aus den Nachbarländern Frankreich und Luxemburg oder auch vom US-Standort Ramstein“, gibt von Ohlen zu bedenken. Eine bundeseinheitliche Struktur bei den Patientenportalen ist jedoch vorerst noch Zukunftsmusik.

Quelle: Dr. Michael Lang (Freier Journalist) 2025. Thieme