Sozial benachteiligte Regionen bekommen 1000 Gesundheitskioske

Deutschlandweit sollen 1000 Gesundheitskioske fĂŒr Patientinnen und Patienten in sozial benachteiligten Gebieten aufgebaut werden. UnterstĂŒtzt und finanziert wird das Projekt von den Kommunen und Krankenkassen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will langfristig in ganz Deutschland rund 1000 Gesundheitskioske in sozial benachteiligten Regionen einrichten. Vorbild ist dabei Hamburg, wo der SPD-Politiker am 31. August im Stadtteil Billstedt den dort bereits seit 2017 bestehenden Gesundheitskiosk besuchte. „Das hier ist der Prototyp”, sagte der Minister.

Lauterbachs Gesetzesinitiative zufolge besteht die Hauptaufgabe der Kioske darin, den Zugang zur Versorgung von Menschen mit besonderem UnterstĂŒtzungsbedarf zu verbessern. Das gelte fĂŒr Menschen mit und ohne Krankenversicherung, fĂŒr Leute ohne Hausarzt oder fĂŒr Patientinnen und Patienten mit Sprachbarrieren. Entscheidend sei, dass die Angebote niedrigschwellig seien, sagte Lauterbach.

Initiiert werden sollen die Anlaufstellen von den Kommunen, die Kosten sollen zu 74,5 Prozent die gesetzliche Krankenversicherung, zu 5,5 Prozent die privaten Krankenkassen und zu 20 Prozent die Kommunen ĂŒbernehmen. Ein Plan, der vor allem der privaten Krankenversicherung ĂŒbel aufstĂ¶ĂŸt.

Die vorgeschlagenen Gesundheitskioske seien eine genuine Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes „und sollten vollstĂ€ndig von LĂ€ndern und Kommunen finanziert werden”, sagte der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung Florian Reuther. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte eine KostenĂŒbernahme von 50 Prozent durch die Kommunen.

Pro 80 000 Menschen einen Kiosk

„Deutschland hat in der Vorbeugemedizin ein recht gutes Angebot, es wird aber meistens dort angeboten, wo man es am wenigsten benötigt”, sagte Lauterbach mit Blick auf vermögendere Stadtteile. Ziel sei, pro 80 000 Menschen einen Kiosk zu errichten. „Im Vordergrund muss die Armut des Stadtteils stehen”, betonte Lauterbach. Er gehe auch davon aus, dass sich die Kioske nicht nur selbst tragen, sondern das Gesamtsystem sogar entlasten werden. Denn durch sie wĂŒrden jene Menschen erreicht, auf die man sonst erst in der Notaufnahme stoße und die dann fĂŒr viel Geld im Krankenhaus versorgt werden mĂŒssten.

So sollen die Kioske fĂŒr die Patientinnen und Patienten unter anderem medizinische Behandlung vermitteln, beraten und bei der KlĂ€rung gesundheitlicher und sozialer Angelegenheiten unterstĂŒtzen. Außerdem sollen von Ärzten veranlasst in den Kiosken PflegefachkrĂ€fte einfache medizinische Routineaufgaben erledigen, etwa Blutdruck und Blutzucker messen, VerbĂ€nde wechseln und Spritzen verabreichen.

Prototyp steht in Hamburg-Billstedt

Besonders beeindruckt zeigte sich Lauterbach beim Besuch im Gesundheitskiosk in Billstedt vom Beratungsangebot in gleich mehreren Sprachen, unter anderem TĂŒrkisch, Englisch und Russisch – sowie von der Hebammensprechstunde. Das sei eine „unfassbar wichtige Investition”.

In dem Gesundheitskiosk in der Billstedter FußgĂ€ngerzone sind seit seiner GrĂŒndung 2017 den Angaben zufolge bereits mehr als 17 000 BeratungsgesprĂ€che gefĂŒhrt worden. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der fĂŒr den Kiosk zustĂ€ndigen Gesundheit fĂŒr Billstedt Horn UG, Alexander Fischer, sagte: „Wir haben fĂŒnf Jahre dafĂŒr gekĂ€mpft.” Entsprechend freue er sich sehr, dass die Idee nun bundesweit verstetigt werde, sagte Fischer, der bei Lauterbach in Köln den Studiengang fĂŒr Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie absolviert hat.

Quelle: dpa