Standortübergreifende Versorgung -Wie in Südniedersachsen Groß und Klein zusammenarbeiten

Die Universitätsmedizin Göttingen und das Klinikum Hann. Münden bauen ihre langjährige Kooperation aus – auch mit Blick auf die anstehende Reform. KHM-Geschäftsführer Schultz spricht von einem Meilenstein für sein Haus.

Vertragsunterzeichnung in Göttingen: Die Universitätsmedizin (UMG) und das Klinikum Hann. Münden (KHM) wollen enger zusammenarbeiten. Das Vorhaben bestätige die langjährige Zusammenarbeit, die bereits im Jahr 2010 mit der Gründung des gemeinsamen „Kompetenzzentrum für Organtransplantation Göttingen – Hann. Münden“ begonnen hat.

Ziel der Kooperation sei eine flächendeckende patientenorientierte Gesundheitsversorgung durch standortübergreifende Versorgungskonzepte zwischen den Kliniken der Grund- und Regelversorgung und der Maximalversorgung. Dabei wollen sich beide Partner in der Versorgung der Patient*innen gegenseitig stärken und gleichermaßen den jeweiligen Versorgungsauftrag durch qualitativ hochwertige Angebote erfüllen.

Im Mittelpunkt der Vereinbarung stehe, die stationäre medizinische Versorgung für die Region Südniedersachsen an beiden Standorten stabil und hochwertig sicherzustellen. UMG und KHM orientieren sich dabei am regionalen Versorgungsbedarf der Patient*innen. Synergien sollen zusammengeführt werden, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Auch bestehende Dokumentation und Diagnosen sollen genutzt werden und so den direkten fachlich-kollegialen Austausch fördern und Behandlungszeiten verkürzen.

„Wenn sich Universitätskliniken oder andere Maximalversorger mit Grund- und Regelversorgern innerhalb einer Region vernetzen, so ist das für Patient*innen und die beteiligten Kliniken ein Gewinn“, sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Vorstand Krankenversorgung der UMG. Die beiden Partner würden schon jetzt der anstehenden Krankenhausreform vorgreifen.

Win-win-win-Situation

„Die enge Anbindung an das Universitätsklinikum Göttingen ist ein Meilenstein für das Klinikum Hann. Münden. Diese Kooperation ist eine echte Win-win-win-Situation für KMH, UMG und vor allem unsere Patient*innen“ teilt KHM-Geschäftsführer Andreas Schultz begeistert mit. 

Häuser unterschiedlicher Versorgungsstufen müssen sich enger vernetzen und gemeinsame standortübergreifende Versorgungskonzepte entwickeln. 

„Momentan stehen alle Krankenhäuser vor ähnlichen Herausforderungen. Was die beiden Kliniken mit dieser Kooperation zeigen, kann eine Blaupause für viele andere Versorgungsregionen in Deutschland sein“, ergänzt Stefan Starke von der Hospital Management Group (HMG), die am KHM im Rahmen eines Managementvertrags seit sechs Jahren den Klinikgeschäftsführer stellt. Er sei davon überzeugt, dass die flächendeckende Gesundheitsversorgung nur erhalten werden könne, wenn Häuser unterschiedlicher Versorungstufen eng zusammenarbeiten und standortübergreifende Konzepte entwickeln. Starke selbst war bis 2020 als Geschäftsführer am Klinikum Hann. Münden tätig und hat die Vertragsverhandlungen unterstützt.

Über das KHM

Das Klinikum Hann. Münden ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung mit rund 250 Betten und ca. 430 Mitarbeitenden. Geschäftsführer Andreas Schultz ist im Auftrag der HMG seit 1. September 2023 im Amt, Vorgänger Dr. Niklas Cruse hat das Haus verlassen.

Mit der Kooperation werden bis Ende 2024 die wesentlichen Leistungen rund um Nierentransplantationen am UMG konzentriert. Unterstützen sollen die KHM-Experten aus der nephrologischen Transplantationsmedizin. Hann. Münden soll zukünftig die Abteilung für Nephrologie mit allen Dialyse- und shuntchirurgischen Leistungen, so auch bei der Nachsorge nach einer Transplantation, betreiben.

Aber nicht nur in der Nephrologie werden die Häuser künftig enger zusammenrücken. Auch auf anderen Fachgebieten soll es Kooperationen geben. Hann. Münden soll beispielsweise eine Fachabteilung für Geriatrie unter Leitung der Klinik für Geriatrie der UMG bekommen. Zusätzlich werden die Orthopädie und Intensivmedizin in Hann. Münden gestärkt, indem Kolleg*innen aus Göttingen punktuell vor Ort unterstützen.

„Mit all diesen Maßnahmen ermöglichen wir den Bürger*innen im ländlichen Raum wohnortnahen Zugang zu den Spitzenleistungen universitärer Medizin und begegnen außerdem einem wachsenden Fachkräftemangel“, so Prof. Dr. Wolfgang Brück, Sprecher des Vorstandes der UMG. Die Universitätsmedizin will außerdem standortübergreifende Weiterbildungen organisieren oder das KHM bei der Nachbesetzung von Chefärztinnen und Chefärzten beratend unterstützen. „Mit diesem Vertrag wollen wir die bereits bestehende Zusammenarbeit vertiefen und in den kommenden Jahren um weitere Handlungsfelder ergänzen.“

Über die UMG

Die Universitätsmedizin Göttingen ist ein Maximalversorger mit 67 Kliniken, Instituten und Abteilungen und etwa 1450 Betten. Rund 7900 Mitarbeitende beschäftigt das Haus, das jährlich über 66 000 Patientinnen und Patienten versorgt. An der medizinischen Fakulätät lernen 3600 Studierende in den Studiengängen Humanmedizin, Zahnmedizin, Molekulare Medizin und Cardiovascular Science.

Quelle: UMG/KHM/gnj