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2023 stehen große Reformen im Gesundheitswesen an. Anfang Februar will die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) eine Auswirkungsanalyse vorlegen. Dabei geht es insbesondere um die Klinikstandorte ohne Notfallversorgung.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG hat) ihre gesundheitspolitischen Erwartungen fĂŒr 2023 vorgestellt. Die Krankenhausreform ist eines der zentralen Themen fĂŒr das Jahr 2023. Bund und LĂ€nder haben bis zum Sommer einen gemeinsamen Gesetzesentwurf versprochen. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun – denn die Auswirkungen der Reform sind noch offen. Der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß kĂŒndigte an, dass Anfang Februar gemeinsam mit dem Institute for Health Care Business eine datengestĂŒtzte Auswirkungsanalyse zu den Ideen der Regierungskommission vorgelegt wird. „Diese Erkenntnisse sind fundamental, um die VorschlĂ€ge mit Blick auf die zukĂŒnftige Patientenversorgung auch in der Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe bewerten zu können“, kĂŒndigte Gaß an.

Auswirkungen auf KrankenhÀuser ohne Notfallstufe

Interessant wird sein, wie die KrankenhĂ€user den jeweiligen Versorgungsleveln zugeordnet werden – besonders, wenn es um die Krankenhausstandorte ohne Notfallstufe geht. Das sind nach Angaben der DKG 657 Standorte (38 Prozent), die unter Level Ii zu zĂ€hlen wĂ€ren. Diese Standorte ohne Notfallstufe soll es nach Ansicht der Kommission nicht mehr geben, sie werden zu lokalen Gesundheitszentren, so die DKG. Sie hĂ€tten einen starken Pflegeaspekt und seien durchaus Einrichtungen, die den regionalen Versorgungsbedarf im Grenzbereich zwischen ambulant-stationĂ€rer Versorgung und Kurzzeitpflege gut abbilden könnten. Auch die VergĂŒtung wĂŒrde nicht mehr der eines Krankenhauses entsprechen

„Es ist ein bisschen ‚des Kaisers neue Kleider‘. Man schreibt Krankenhaus drauf, aber beim dritten Vorbeilaufen merkt man, es ist keins“, brachte es Gaß auf den Punkt. Man mĂŒsse ehrlich sein und sagen, um was es geht, wenn man VorschlĂ€ge macht, die fĂŒr die regionale Versorgung durchaus hilfreich sein könnten.

 

Die BĂŒrger wollen wissen, wie die Versorgung organisiert wird, wie lange sie auf ihre Behandlung warten mĂŒssen und was das Krankenhaus in der NĂ€he kĂŒnftig noch tun darf.

 

Zudem mĂŒsse geklĂ€rt werden, wie KrankenhĂ€user kĂŒnftig arbeiten. „Die BĂŒrger wollen wissen, wie die Versorgung organisiert wird, wie lange sie auf ihre Behandlung warten mĂŒssen und was das Krankenhaus in der NĂ€he kĂŒnftig noch tun darf“, sagte Gaß. Auch BeschĂ€ftigte wollten wissen, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten oder sich ihre BeschĂ€ftigung verlagert und ob sich die Arbeit im Krankenhaus positiv verĂ€ndern wird. Es sei vieles, was man nicht „hinter verschlossenen TĂŒren“ bearbeiten könne. Die Antworten mĂŒsse die Bund-LĂ€nder-AG geben. Die DKG schlĂ€gt dazu neben einer Auswirkungsanalyse die Simulation der Patientenversorgung, FinanzierungsvorschlĂ€ge sowie den Beleg fĂŒr die Deregulierung und den BĂŒrokratieabbau vor.

DKG begrĂŒĂŸt Reformen

Die umfassende Reform mit nachhaltigen Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen fĂŒr die KrankenhĂ€user sei zwingend erforderlich, erklĂ€rte Gaß. „Wir begrĂŒĂŸen, dass die Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe einen gemeinsamen Entwurf fĂŒr die große Reform erarbeiten will, und werden unsere eigenen Vorstellungen und Ideen einbringen. Eine Reform muss sich schlussendlich an dem Ziel messen lassen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Ziel muss es sein, eine gute und ausgewogene Balance zwischen Zentralisierung und WohnortnĂ€he bei den Krankenhausstandorten zu schaffen. Ziel muss auch sein, mehr Zeit fĂŒr Patientinnen und Patienten zu gewinnen. Dies wird nur durch konsequente Deregulierung und EntbĂŒrokratisierung möglich“, so Gaß.

Die ambulanten FĂ€higkeiten der Kliniken mĂŒssten genutzt werden, um den Patienten auch ĂŒber die stationĂ€re Versorgung hinaus neue klinisch-ambulante Versorgungsangebote unterbreiten zu können, betonte der DKG-Vorstandschef. „FĂŒr all das brauchen wir eine moderne bauliche und medizinische Infrastruktur. Bei der Finanzierung mĂŒssen wir wirklich den ökonomischen Druck reduzieren und zu einer fairen Refinanzierung der Kosten im Krankenhaus kommen. Wir brauchen keine befristeten Hilfspakete, sondern dauerhafte angemessene Regelungen.“ Es brauche eine faire und nachhaltige Finanzierungsgrundlage. „Wir wissen auch, dass in diesem Reformprozess stationĂ€re KapazitĂ€ten und Standorte durch Fusionen, Umwandlung und mehr ambulante Versorgung am Krankenhaus schrittweise reduziert werden. Dieser Herausforderung stellen wir uns“, erklĂ€rte Gaß.

VorschlĂ€ge fĂŒr die Kommission

Neben den Ergebnissen der Analyse wird die DKG der Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe als Antwort auf die Ideen der Regierungskommission in der ersten FebruarhĂ€lfte konkrete VorschlĂ€ge unterbreiten. „Wir favorisieren ein bundesweites Stufenkonzept mit grundsĂ€tzlicher Zuordnung von Leistungsgruppen als sinnvollen Ansatz fĂŒr eine Landeskrankenhausplanung nach gemeinsamen, bundesweiten MaßstĂ€ben. Zentral, um ökonomischen Druck zu minimieren, ist eine differenzierte fallzahlunabhĂ€ngige Vorhaltefinanzierung. Zu den Finanzierungsfragen gehört aber zuvorderst das Ende der strukturellen Unterfinanzierung. Um die Kliniken endlich fĂŒr klinisch-ambulante Leistungen zu öffnen, plĂ€dieren wir fĂŒr eine Finanzierung dieser Leistungen ĂŒber Hybrid-DRGs. Die Bund-LĂ€nder-Arbeitsgruppe muss sich auch den Investitionsfragen stellen“, forderte der DKG-Vorstand. 

Reform in unsicheren Zeiten

Die Reformanstrengungen treffen die Kliniken in schweren Zeiten. Corona, RSV- und Grippewelle haben die KrankenhĂ€user 2022 stark belastet. Mit Ausblick auf 2023 gebe es jedoch eine gute Botschaft – Corona werde kein dominierendes und kritisches Thema mehr sein, „davon sind wir ĂŒberzeugt“, so Gaß. Die DKG habe dafĂŒr plĂ€diert, die Maßnahmen aufzugeben. Die Politik benötige die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung. „Wenn die Rahmenbedingungen so sind, dass man Maßnahmen inhaltlich und fachlich nicht mehr rechtfertigen kann, sollte man sie aufgeben, um das Vertrauen der Bevölkerung nicht aufs Spiel zu setzen“, sagte Gaß. 

Dennoch gibt es viele weitere Baustellen, die die Kliniken beschĂ€ftigen werden, etwa die Medikamentenknappheit. Mitarbeitende der Krankenhausapotheken wĂŒrden sich bemĂŒhen, die LieferengpĂ€sse auszugleichen – entweder durch neue VertrĂ€ge, zusĂ€tzliche Lieferanten oder die gegenseitige UnterstĂŒtzung mit anderen Kliniken. Anders als im niedergelassenen Bereich, sind KrankenhĂ€user vor allem von der Knappheit im Bereich AnĂ€sthesie und Intensivmedizin betroffen. „LieferengpĂ€sse wie im ambulanten Bereich erleben wir auch bei spezialisierteren Medikamenten, die es ĂŒberwiegend im Krankenhaus gibt“, fĂŒhrte Gaß aus. 

Kurzfristige Reformen gegen Insolvenzwelle

Auch das Problem des Personalmangels wird sich nicht kurzfristig lösen lassen. „Umso wichtiger ist es, dass wir mit Reformen die wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krĂ€fteschonend und zielgerichtet einsetzen. Das Pflegepersonalentlastungsgesetz konnte in diesem Sinne kurzfristig keine Verbesserung bringen“, erklĂ€rt Gaß. Die nur langsam voranschreitende Digitalisierung werde die BeschĂ€ftigten ebenfalls noch nicht entlasten. 

Um das Ausmaß einer Krankenhaus-Insolvenzwelle fĂŒr 2023 zu begrenzen, seien einige kurzfristige Reformen nötig: Die Kliniken benötigten einen vollstĂ€ndigen Inflationsausgleich, der sĂ€mtliche Kostensteigerungen umfasse. Sie mĂŒssten zudem von dem durch die gesunkenen Fallzahlen verschĂ€rften strukturellen Defizit von insgesamt 15 Milliarden Euro befreit werden. Vor allem aber, so die Forderung der DKG, benötigten die KrankenhĂ€user kurz- und mittelfristig mehr Investitionen.

Quelle: DKG/hgl