Fast alle gesetzlich Versicherten haben seit einem Jahr auch eine elektronische Patientenakte (ePA) â fĂŒr einen Durchbruch werden aber Rufe nach mehr nĂŒtzlichen Anwendungen laut.
Kritik an der ePA kommt beispielsweise vom HausÀrzteverband: Die elektronische Patientenakte sei nichts weiter als eine unsortierte PDF-Sammlung.
Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, sagte, die E-Akten seien noch nicht im Alltag angekommen. âDas ist wenig ĂŒberraschend, denn zentrale Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte fehlen weiterhin.â Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband nannte die aktuelle ePA âeingeschrĂ€nkt praxistauglichâ.
Der bisherige Start bleibe hinter den Erwartungen zurĂŒck, kritisierte Pop. Die ePA könne ihr Potenzial nur entfalten, wenn ein deutlich gröĂerer Teil der Versicherten sie aktiv nutze. DafĂŒr mĂŒsse die E-Akte âalltagsnahe Mehrwerteâ bieten. Die Verbraucherzentralen fordern dafĂŒr eine zĂŒgige Umsetzung weiterer Funktionen, die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekĂŒndigt hat. Wichtig seien auch mehr AufklĂ€rung und Informationen nicht nur zum Start.
Zentraler Speicher fĂŒr wichtige Daten
Rund 70 Millionen der 74,5 Millionen gesetzlich Versicherten haben seit Januar 2025 eine ePA von ihrer Kasse angelegt bekommen, was man fĂŒr sich auch ablehnen kann. Seit Oktober sind Praxen und Kliniken verpflichtet, Daten wie Befunde oder Laborwerte einzustellen. Die ePA kann Patienten ein Leben lang begleiten und soll auch Doppeluntersuchungen und Arznei-Wechselwirkungen vermeiden. Denn sie macht wichtige Informationen jederzeit abrufbar, nachdem bisher viele mit Zetteln in die Praxen gehen oder gar keine Unterlagen haben.
SpÀrliche aktive Nutzung unter Patienten
FĂŒr Patientinnen und Patienten gilt: Man kann in seine ePA schauen, muss es aber nicht. Nur wenn man es macht, kann man aber auch online festlegen, welche Ărztinnen und Ărzte welche Daten sehen können und was besser nicht. Einloggen kann man sich ĂŒber eine App der Kasse auf dem Smartphone. FĂŒrs erste Verwenden muss man sich aber einmal identifizieren und freischalten lassen. Bisher haben das laut Gesundheitsministerium nur rund vier Millionen Versicherte getan und können die ePA damit aktiv fĂŒr sich selbst nutzen.
Was Versicherten fehlt
GrĂŒnde fĂŒr ePA-ZurĂŒckhaltung gibt es mehrere â auch noch ganz allgemeine. In einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands gaben drei Viertel der Befragten an, sich ânoch nicht damit auseinandergesetztâ zu haben, ein Drittel sieht âkeinen persönlichen Nutzenâ. WĂŒnschen wĂŒrden sich demnach jeweils mehr als 60 Prozent Steuerungsmöglichkeiten, wer welche Daten sehen darf, digitale Untersuchungshefte oder Hinweise auf fehlende Impfungen. Befragt wurden den Angaben zufolge 1.000 gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren vom 3. bis 7. November 2025 vom Institut Forsa.
Was HausÀrzte bemÀngeln
Der Vorsitzende des HausĂ€rzteverbands, Markus Beier, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, derzeit sei die E-Akte vor allem âeine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen könnenâ. Sie mĂŒssten sich mĂŒhsam durch Dokumente arbeiten, eine Volltextsuche fehle. Ein Problem seien auch Störungen der Datenautobahn des Gesundheitswesens, auf der die Anwendung lĂ€uft. An der ePA-Nutzung nehmen laut der mehrheitlich bundeseigenen Digitalagentur Gematik derzeit 80.600 von 98.500 Praxen teil.
Was die Kassen fordern
Die gesetzlichen Krankenkassen mahnen eine stabile Technik und ein sicheres, aber nutzerfreundlicheres Identifikationsverfahren fĂŒr die erste Anmeldung zum aktiven Verwenden der ePA an. âWir dĂŒrfen die Versicherten nicht gleich beim âLog-Inâ verlierenâ, sagte der Sprecher des Spitzenverbands, Florian Lanz. Die ePA solle zum HerzstĂŒck eines digitalen Versorgungssystems werden und mĂŒsse zĂŒgig ĂŒber eine reine Dokumentensammlung hinausgehen. Dazu gehöre, dass Kassen individuelle Inhalte und Anwendungen in der ePA anbieten dĂŒrfen.
Was die Ministerin plant
Warken bekrĂ€ftigte in der âRheinischen Postâ PlĂ€ne fĂŒr eine Weiterentwicklung der ePA, so dass sie fĂŒr alle gröĂeren Mehrwert bringt und attraktiver wird â auch fĂŒr Menschen ohne lange Krankheitsgeschichte mit vielen Arztbesuchen. Kommen sollen etwa eine digitale UnterstĂŒtzung fĂŒr Medikamenten-Einnahmen und Erinnerungs-Benachrichtigungen fĂŒr Versicherte. Im Blick steht auch eine âdigitale ErsteinschĂ€tzungâ ĂŒber die ePA, bei der man sich durch Fragen zu Beschwerden klickt. Danach könnten dann auch Arzttermine gebucht werden.
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Wie es weitergeht
Eine Zielmarke hat Warken schon genannt: Bis 2030 soll die Zahl der aktiven Nutzerinnen und Nutzer auf rund 20 Millionen herauf. Ein erster Gesetzentwurf auch zu weiteren Digitalisierungsvorhaben soll laut Ministerium bis Ende MĂ€rz kommen. Die Verbraucherzentralen mahnen, Versicherte ohne ePA dĂŒrften bei Terminvergaben keine Nachteile haben. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte einen verbindlichen Fahrplan zur Problemlösung. âDer DauerĂ€rger mit der E-Akte muss ein Ende habenâ, sagte Vorstand Eugen Brysch.
Quelle: dpa
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