In deutschen KrankenhÀusern eröffnet sich 2026 eine einmalige Chance: Nach Jahren der digitalen Aufbauarbeit im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) stehen Kliniken an einem Punkt, an dem sie nicht nur einzelne Prozesse digitalisieren, sondern echte, vernetzte Datenlandschaften schaffen können.
Noch nie zuvor hatte der deutsche Gesundheitsmarkt eine vergleichbare Ausgangssituation: Fördermittel, technische Standards, gesetzliche Vorgaben und politische UnterstĂŒtzung treffen auf digitale Bausteine, mit denen sich eine digitalisierte Zukunft errichten lĂ€sst. Und zwar eine, die den Patienten ins Zentrum stellt und eine bestmögliche Versorgung gewĂ€hrleistet.
Was nun aber ansteht, ist nichts weniger als der Schritt von den Bausteinen zum kompletten Haus, von isolierten digitalen Tools hin zu echter InteroperabilitĂ€t und einem funktionierenden Gesamtsystem. Nur so lassen sich die Potenziale fĂŒr Patientenversorgung, Effizienz und Wirtschaftlichkeit realisieren. Klinikentscheider stehen damit vor der Aufgabe, bestehende Prozesse zu hinterfragen und neu zu denken.
Von der Förderung zur echten Datenlandschaft
Viele KrankenhĂ€user haben die Fördermittel aus dem KHZG genutzt, um zentrale digitale Bausteine einzufĂŒhren: Patientenportale, TelemedizinâAnbindungen, digitale OPâPlanungsâTools oder modernisierte ITâSicherheit. Diese MaĂnahmen zeigen Wirkung: Nach Erkenntnissen der Reifegradmessung DigitalRadar Krankenhaus ist der digitale Status deutscher Kliniken von durchschnittlich etwa 33,3 Punkten im Jahr 2021 auf ĂŒber 42 Punkte im Jahr 2025 gestiegen. Das ist ein Zuwachs von mehr als 27 Prozent, der direkt auf die KHZGâFörderung zurĂŒckgefĂŒhrt werden kann.
Regionale Unterschiede sind dabei deutlich erkennbar: Kliniken in Berlin erreichten im Schnitt 48 Punkte, deutlich ĂŒber dem Bundesdurchschnitt, wĂ€hrend HĂ€user in anderen BundeslĂ€ndern wie RheinlandâPfalz oder SchleswigâHolstein noch deutlich aufholen mĂŒssen.
Trotz messbarer Fortschritte bestehen jedoch weiterhin historisch gewachsene Insellösungen. Sie mĂŒssen integriert werden, um eine durchgĂ€ngige, interoperable Datenlandschaft zu realisieren. Laborwerte, Radiologiebilder, Medikationslisten und Pflegeinformationen liegen zwar digital vor, sind aber hĂ€ufig nur innerhalb einzelner Abteilungen nutzbar. Eine sektorenĂŒbergreifende Verwendung fĂŒr koordinierte Versorgung oder weiterfĂŒhrende Analysen ist in vielen HĂ€usern noch nicht möglich.
KHTF startet fĂŒr mehr Digitalisierung und wirtschaftliche StabilitĂ€t
Hierzulande trifft das groĂe Ziel allerdings auf eine sehr angespannte finanzielle Lage. Laut dem Beratungsunternehmen Roland Berger drohte Ende 2024 fast einem Drittel der rund 1.700 Kliniken in Deutschland eine Insolvenz. Auch das aktuelle KrankenhausâBarometer 2025 zeigt: Fast zwei Drittel der deutschen Kliniken schrieben 2024 Verluste. FĂŒr 2025 erwarten 71 Prozent ein negatives Jahresergebnis. Nur ein kleiner Anteil bewertet seine wirtschaftliche Lage als gut, wĂ€hrend eine groĂe Mehrheit mangelnde Planungssicherheit beklagt.
Diese Diskrepanz zwischen digitalem Fortschritt und wirtschaftlicher RealitĂ€t stellt Klinikentscheider vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig zeigt sie, wie sehr gezielte digitale Investitionen die Wirtschaftlichkeit und Versorgung verbessern könnten. 2026 wird dafĂŒr ein wichtiges Jahr. Erstmals werden Gelder aus dem Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) ausgeschĂŒttet. Sie sollen einen entscheidenden Impuls fĂŒr die Modernisierung deutscher KrankenhĂ€user geben. Ăber einen Zeitraum von zehn Jahren stehen dafĂŒr insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro bereit, um strukturelle Anpassungen und Investitionen in digitale Infrastruktur, Kooperationen und Spezialisierung zu unterstĂŒtzen â finanziert zur HĂ€lfte aus Mitteln des Bundes und voraussichtlich aus Beitragsmitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
Die Mittel sind nötig, wie ein internationaler Vergleich der Hochschule OsnabrĂŒck zeigt. Ihm zufolge investieren deutsche Kliniken nur etwa drei Prozent ihres Gesamtbudgets in digitale Infrastruktur und IT-Betrieb. DĂ€nische HĂ€user liegen bei rund 3,9 Prozent und niederlĂ€ndische Kliniken sogar bei etwa 5,2 Prozent. Auch die laufenden IT-Kosten und IT-Personalaufwendungen liegen in Deutschland deutlich unter dem internationalen Niveau. Diese Unterschiede verdeutlichen, warum deutschen Kliniken trotz Fortschritten durch KHZGâFörderung weitere Investitionen nötig sind, um im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten. Kliniken, die jetzt ihre Digitalisierungsstrategie konsequent umsetzen und KHTFâMittel gezielt einsetzen, können ihre wirtschaftliche Position stĂ€rken, Versorgungsprozesse optimieren und die WettbewerbsfĂ€higkeit deutscher Kliniken im internationalen Kontext sichern.
Quelle: Volker Hofmann Â
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